Das von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) formulierte Ziel, das Töten männlicher Eintagsküken bis 2017 zu beenden, ist nicht zu halten. Das Forscherteam, das das entsprechende Verfahren dazu herstellt, glaubt selbst nicht an eine rechtzeitige Fertigstellung, wie Recherchen der ZEIT ergaben.

Schmidt hatte angekündigt, das sogenannte Kükenschreddern mit einer neuen Technik statt mit einem staatlichen Verbot zu stoppen. Jedes Jahr werden in Deutschland knapp 50 Millionen Küken geschreddert oder vergast. Mit dem neuen Verfahren soll schon bei drei Tage alten Eiern das Geschlecht bestimmt werden. Damit sollen Hähne nicht mehr ausgebrütet werden, die Eier könnten vorher aussortiert werden. Dazu wird mithilfe eines Lasers die Schalendecke geöffnet und abgenommen, um mit einem Spektroskop Licht in die Öffnung zu schießen. Durch eine unterschiedliche Streuung des Lichts an den Blutzellen der männlichen oder weiblichen Embryonen kann das Geschlecht bestimmt werden.

Ein Forscherteam von Wissenschaftlern der Universität Leipzig und der TU Dresden in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Unternehmen Evonta Technology entwickelt das Verfahren. Ein Ingenieur von Evonta Technology sagte der ZEIT, die Technik sei frühestens 2019 marktreif. Damit würde das von Schmidt herausgegebene Ziel von 2017 verfehlt.

Beim Unternehmen Lohmann Tierzucht, dem führenden Produzenten von Legehennen, das auch zu den Geldgebern des Projektes gehört, ist man noch pessimistischer. Geschäftsführer Rudolf Preisinger rechnet mit der Marktreife der Technik in etwa fünf bis zehn Jahren.

Trotzdem hat der Zeitplan des Bundeslandwirtschaftsministeriums nach eigenen Angaben nach wie vor Gültigkeit, ergab eine Anfrage der ZEIT. Details dazu, wie dieser angesichts der Aussagen der Projektpartner eingehalten werden soll, nannte das Ministerium aber nicht.