Dem typischen Vertreter der "Generation Mitte" geht es grundsätzlich gut: Er ist mit seiner aktuellen Lebenslage zufrieden und bezeichnet sich selbst als Wohlstandsgewinner. Doch sein Blick auf die Gesellschaft und in die Zukunft ist pessimistisch. Seine Sorgen drehen sich um soziale Gerechtigkeit, Terror und die Flüchtlingsproblematik.

Dieses Bild zeichnet die repräsentative Studie zur Generation Mitte des Allensbacher Instituts, die jährlich im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchgeführt wird. Menschen zwischen 30 und 59 Jahren geben darin Auskunft zu ihren Einstellungen und zu ihren Einschätzungen zu gesellschaftlichen Themen. 

Angesprochen auf ihre persönliche Lebenslage, antworten die Befragten mehrheitlich positiv: Drei Viertel bezeichnen ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut. Vier von Zehn gaben an, dass sich ihre Lebensqualität in den letzten fünf Jahren verbessert hat. 

Der Blick auf die Gesellschaft ist jedoch von Skepsis und Verunsicherung geprägt. Rund ein Drittel der Befragten meint, dass die Lebensqualität in Deutschland in den letzten fünf Jahren gesunken ist, nur zwölf Prozent sehen eine Verbesserung. 

Die Schere zwischen Arm und Reich wächst

Die soziale Ungleichheit in Deutschland wird von der Generation Mitte besonders kritisch betrachtet. Sowohl die aktuellen Verhältnisse als auch deren Entwicklung werden zumeist negativ bewertet. So haben 70 Prozent der Befragten den Eindruck, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland in der letzten Zeit weiter auseinandergegangen ist. Knapp zwei Drittel halten die Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland für ungerecht. 62 Prozent sind davon überzeugt, dass die Gefahr für sozialen Abstieg in den letzten Jahren größer geworden ist.

Eine Auflösung sozialer Ungleichheiten kommt für die Generation Mitte allerdings nicht infrage, das Leistungsprinzip ist in den Wertvorstellungen fest verankert. Die deutliche Mehrheit der Befragten hält es für gerecht, wenn derjenige, der viel leistet, auch viel verdient, wenn Arbeitslose deutlich weniger bekommen als Berufstätige und die Rente von der Höhe der Einzahlungen abhängt.

Um mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen, spricht sich dementsprechend nur eine Minderheit für eine Erhöhung von Hartz IV oder gar ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Die Mehrheit wünscht sich von der Politik vielmehr, dass gleiche Leistung gleich bezahlt wird und dass Steuerschlupflöcher gestopft werden. 59 Prozent wünschen sich eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nur jeder Vierte glaubt, dass eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes für mehr Gerechtigkeit sorgen würde. 

Flüchtlingsproblematik spaltet die Generation Mitte

Auch die Gefahr terroristischer Anschläge und die Flüchtlingskrise bereiten der "Generation Mitte" Sorgen. Im Vergleich zu 2014 wird Zuwanderung weniger als Beitrag zur Bewältigung des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels angesehen. Hingegen bejahen mehr Befragte den Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Kriminalität. 60 Prozent haben die Sorge, dass durch die Zuwanderung auch terroristische Gruppen nach Deutschland kommen. 

Einigkeit herrscht beim Thema Zuwanderung in der Generation Mitte allerdings nicht. Während ein Drittel glaubt, dass Zuwanderung die Gesellschaft offener und lebendiger macht, meinen 29 Prozent, dass Deutschland keine Ausländer mehr aufnehmen kann.

Für eine gelingende Integration hält die überwiegende Mehrheit gute Deutschkenntnisse und die Akzeptanz der in Deutschland geltenden Grundprinzipien und Wertvorstellungen für notwendig. Zwei Drittel bewerten die Chancen für Geflüchtete, sich in Deutschland zu integrieren, als weniger oder gar nicht gut. Nur jeder Fünfte sieht gute oder sehr gute Chancen.

Auch die persönliche Zukunft macht den Befragten Sorge. 60 Prozent waren sich unsicher, ob sie ihren Lebensstandard im Alter halten werden können, sechs Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind der Generation Mitte dabei bewusst. So erwarten vier von fünf Befragten eine längere Lebensarbeitszeit und steigende Rentenbeiträge.