Man muss sich nur einmal an eine zentrale Kreuzung in einer größeren Stadt stellen, um das Problem zu erkennen. Meist ist die nächste Filiale der Sparkasse nicht weit. Schräg gegenüber ist dann oft die Volksbank und den Schriftzug einer der großen Filialbanken sieht man auch schon leuchten, sei es der von Deutscher Bank, Commerzbank, Postbank oder Hypovereinsbank. Deutschland ist ein Bankenfilialland. So viele unterschiedliche Banken und so viele Geschäftsstellen wie bei uns findet man – auf die Köpfe der Bevölkerung umgerechnet – nirgends in Europa. Noch ist das jedenfalls so.

Die deutschen Banken sind nur bezogen auf ihre Niederlassungszahlen spitze, in vielen anderen Belangen sind sie abgehängt. Besonders in den Kategorien Wirtschaftlichkeit und Ertrag, den entscheidenden Kennzahlen also. Deshalb geraten immer mehr Institute in Bedrängnis und selbst die größten deutschen Banken sind gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Allen voran die Marktführer Deutsche Bank und die Commerzbank. Beide schockten dieser Tage die Öffentlichkeit.

Nach Informationen der ZEIT arbeitet die Bundesregierung an einem Rettungsplan für die Deutsche Bank, weil diese damit rechnen muss, in den USA eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Dollar zahlen zu müssen. Die Commerzbank kündigte an, 9.600 Stellen zu streichen, also fast jeden fünften Arbeitsplatz. Beide Nachrichten rütteln auf. Wie ernst steht es um Deutschlands Banken?

Andreas Dombret, Vorstand bei der Bundesbank, verglich die deutschen Banken in dieser Woche mit Dinosauriern. Zwar relativiert Dombret, dass die Spezies noch eine Weile weiterleben werde, aber er warnt eindringlich: "Größe allein ist kein Wert" und a­­uch kein "Garant fürs Überleben". Die Gefahr für die Branche jedenfalls sei "das enorme Ausmaß wenig nachhaltiger Geschäftsmodelle".

Es wird weitere Fusionen geben

Das Hauptproblem der deutschen Banken ist: Sie haben sich fast alle und fast ausschließlich auf das traditionelle Zinsgeschäft verlassen. Eine Ausnahme bildet die Deutsche Bank, die sich mit internationalen Geschäften und dem Investmentbanking in Verluste und Rechtsstreitigkeiten manövriert hat. Das Gros der Branche jedenfalls verdient daran, das Geld von Privatleuten über niedrig verzinste Spar- und Girokonten einzusammeln und es gegen üppige Margen an Unternehmen und Konsumenten weiterzureichen, in Form von Ratenkrediten, Bankdarlehen oder Baufinanzierungen.

Lange war das ein einträgliches Geschäft. Doch bei anhaltenden Niedrigzinsen funktioniert dieses Geschäft nicht mehr. Die Banken müssen sogar Strafzinsen zahlen, wenn sie die Kundengelder, also Liquiditätsreserven, kurzfristig bei der Zentralbank einlagern. Dadurch sinken die Zinsen, zu denen die Banken Kredite vergeben. Die Margen verkleinern sich, die Profitabilität vieler Institute fällt.

Schon länger stehen die deutschen Institute im Europavergleich ziemlich schlecht da. "Bei der Eigenkapitalrentabilität liegt die Eurozone im internationalen Vergleich hinter dem globalen Durchschnitt. Und im Euroraum bilden Deutschland und Österreich quasi schon traditionell die Schlusslichter, woran sich leider auch in den letzten Jahren nichts geändert hat", stellt Dombret fest. Und das, obwohl sich viele Banken als Folge ihrer Ertragsschwäche schon zusammengeschlossen haben oder ganz aufgaben, vor allem im Sektor der Sparkassen und Landesbanken. Seit 1997 habe sich so die Anzahl der deutschen Institute halbiert von über 3.400 auf weniger als 1.700. Und damit sei "die nötige Marktbereinigung vermutlich noch längst nicht abgeschlossen", sagt Dombret. Noch immer machen sich zu viele zu kleine Institute Konkurrenz, was die Margen nach unten drückt.