Die Deutsche Bahn wird Ende 2016 den Betrieb ihrer Konzerntochter BerlinLinienBus (BLB) einstellen. Das teilte die Bahn mit, nachdem zuvor mehrere Medien darüber berichtet hatten. Damit scheidet der einzige größere Konkurrent von Marktführer Flixbus weitgehend aus dem Fernbusmarkt aus. 

Erst Anfang September waren Zahlen des Marktforschungsinstituts Iges bekannt geworden, denen zufolge der Marktanteil der Deutschen Bahn am Fernbusmarkt seit Jahresbeginn von neun auf 14 Prozent gestiegen war. Die Bahn hatte ihre Fernbuslinie in den vergangenen Monaten deutlich ausgebaut. Trotzdem entschied sich die Bahn nun, BLB aufzugeben und stattdessen ihre andere Fernbusmarke IC Bus zu stärken. Die hat bislang aber nur einen Marktanteil von etwa einem Prozent.

Ein kleiner Teil der BLB-Linien soll in das IC-Bus-Netz eingegliedert werden. Dabei handelt es sich laut dem Unternehmen vor allem um touristische Linien wie Berlin-Usedom, Hamburg-Bremen-Amsterdam oder Berlin-Hamburg-Kopenhagen. Die Bahn werde den IC Bus als Ergänzung zum ICE- und Intercity-Netz ausbauen, teilte die Bahn mit. Der IC Bus habe sich als überzeugender für die Kunden und als wirtschaftlicher erwiesen.

Berthold Huber, Manager bei der Deutschen Bahn und Vorstand Verkehr und Transport, sagte, die Bahn wolle den Schienen- und Busfernverkehrsmarkt näher zusammenbringen. "Die getrennte Betrachtung dieser Märkte macht für uns wenig Sinn, da sie die tatsächlichen Kundenbedürfnisse außer Acht lässt."

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) nannte den Schritt der Bahn eine Fehlentscheidung. BDO-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard sagte, die Deutsche Bahn sende ein falsches Signal. Der faktische Marktaustritt der Bahn beim Fernbus komme zur Unzeit. Die Wachstumszahlen von BerlinLinienBus (BLB) hätten eine andere Sprache gesprochen. Erst im Frühjahr sei der Konzern mit BLB richtig durchgestartet.

Flixbus wird weiter Marktanteile gewinnen

Die Bahn hatte im August bereits angekündigt, ihre Fernbusstrategie im zweiten Halbjahr 2016 neu bewerten zu wollen. Der Druck unter den Wettbewerbern bleibe hoch, die Preise aber unverändert niedrig, hatte der Konzern die Ankündigung begründet. Zudem stagnierten die Fahrgastzahlen.

Dem ging der Verkauf von Postbus, der Fernbuslinie der Deutschen Post, an den Marktführer Flixbus voraus. Nach drei Jahren hatte sich die Post von ihrer Fernbusmarke getrennt, weil sie nicht mehr wirtschaftlich genug war. Flixbus bietet zur Zeit knapp 80 Prozent der Fernbusstrecken an. Nach dem Rückzug der Deutschen Bahn dürfte der Marktanteil noch einmal deutlich ansteigen.

Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein sagte dennoch zum Rückzug der Deutschen Bahn: "Die Bahn wird nach wie vor neben dem Pkw, den Mitfahrzentralen und Billigfliegern ein großer Wettbewerber auf Schiene und Straße von uns bleiben."

Experten rechnen mit höheren Preisen

Angesichts der Marktkonsolidierung rechnen Branchenexperten mit Preiserhöhungen bei den Fernbussen. "Längerfristig werden sich die Preise erhöhen, zumal im Fernbusgeschäft kein Geld verdient wird", hatte der Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, im August gesagt. Allgemein gelte: "Je weniger Angebot im Markt, desto mehr gehen die Preise nach oben." Im vergangenen Jahren hatten die Fernbusanbieter die Preise langsam angehoben.  

Das Bundeskartellamt hat bislang nicht in den Markt eingreifen können, weil die Unternehmen noch unter der notwendigen Umsatzschwelle von 500 Millionen Euro operierten. "Wir werden den Markt aber weiter beobachten", sagte ein Sprecher.