Bis zum Jahr 2020 will die Commerzbank 9.600 Stellen streichen. Wie Deutschlands zweitgrößte Bank mitteilte, sei der Stellenabbau Teil der neuen Strategie der Commerzbank, die der Vorstand am Freitag beschließen werde. Damit fällt mehr als jede fünfte der zuletzt 45.000 Vollzeitstellen weg. Allerdings sollen an anderer Stelle zugleich 2.300 Arbeitsplätze entstehen. Der Netto-Stellenabbau belaufe sich demnach auf 7.300 Vollzeitkräfte.

Die Bundesregierung will die Strategiepläne vorerst nicht kommentieren, hieß es aus dem Bundesfinanzministerium. Zuvor hatte bereits das Handelsblatt von einem drastischen Stellenabbau berichtet, den der neue Vorstandschef Martin Zielke geplant habe. In dem Bericht war außerdem die Rede davon gewesen, dass die Dividende dieses Jahr ausfallen werde. Diese Information hat die Commerzbank nun bestätigt. Mögliche Gewinne sollen in die Rücklage fließen. In Aussicht gestellt waren ursprünglich für dieses Jahr 20 Cent je Papier, es wäre die zweite Gewinnausschüttung seit der Finanzkrise gewesen. 

Die Bank teilte mit, dass der Konzernumbau insgesamt 1,1 Milliarden Euro koste. Zudem wolle die Commerzbank ihre Geschäftsbereiche auf nur noch zwei reduzieren: Privat- und Unternehmerkunden sowie Firmenkunden. Die Segmente Mittelstandsbank und Corporates & Markets werden gebündelt und das Handelsgeschäft im Investmentbanking reduziert. Die Commerzbank werde sich "konsequent auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren, 80 Prozent ihrer relevanten Prozesse digitalisieren und dadurch signifikante Effizienzgewinne erzielen", hieß es in der Mitteilung. Das Mittelstandgeschäft, das der Bank lange die meisten Gewinne gebracht hatte, litt zuletzt immer stärker unter dem Niedrigzinsniveau.

Schon unter Zielkes Amtsvorgänger Martin Blessing hatte die Commerzbank seit 2013 etwa 5.000 Stellen abgebaut. 2015 erzielte das Institut einen Milliardengewinn. Im Frühjahr dieses Jahres, als Blessing ging und Zielke Vorstandschef wurde, wurde erstmals seit 2007 eine Dividende ausgeschüttet.

Commerzbank rechnet für 2016 insgesamt mit leichtem Gewinn

Doch die positive Entwicklung hielt nicht an. Daran hatten das anhaltende Zinstief und die deutlich verschärften Auflagen der Aufseher deutlichen Anteil. Im ersten Halbjahr brach der Überschuss des teilverstaatlichten Dax-Konzerns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein. Für das dritte Quartal erwartet das Geldinstitut ein negatives Ergebnis, für das Gesamtjahr 2016 aber einen leichten Gewinn.

Mit dem Umbau verbunden sind neue Renditeziele für das Jahr 2020. Angesichts der niedrigen Zinsen sei Ende 2020 aber erst eine Eigenkapitalrendite (RoTE) von sechs Prozent erreichbar – eine im Branchenvergleich niedrige Zahl. Nur wenn sich die Zinsen normalisierten, könne die Bank acht Prozent erzielen. 2015 waren es 4,2 Prozent. Die Erträge sollen binnen vier Jahren auf 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro steigen. Trotz des massiven Stellenabbaus kommt die Bank in vier Jahren unter den gegebenen Umständen nur auf eine Aufwandsquote von 66 Prozent, die über dem Branchendurchschnitt liegt.