Die Krise der Deutschen Bank zeigt sich nun auch an der Börse: Erstmals in der Geschichte der größten deutschen Bank ist die Aktie unter die Marke von zehn Euro gefallen – für viele Investoren und Anleger eine symbolische, weil alarmierende Marke. Kurz nach Handelsbeginn notierten die Papiere der Deutschen Bank an der Frankfurter Börse zeitweise bei 9,89 Euro.

Auch die Anleger an der Wall Street reagierten nervös auf die aktuellen Negativschlagzeilen. Die Nachrichtenagenturen Bloomberg und AFP berichten, gleich mehrere Hedgefonds hätten ihre Beteiligungen an dem Institut ganz oder teilweise reduziert. Zu ihnen gehören Millennium Partners, Capula Investment und Rokos Capital Management. In der Folge sank nicht nur der Kurs der Deutschen Bank, auch andere Großbanken wie Goldman Sachs, Citigroup und Bank of America mussten Verluste von teils mehr als zwei Prozent hinnehmen.

Die Krise der Deutschen Bank belastet die Stimmung am hiesigen Aktienmarkt insgesamt. So sank der Dax um 1,73 Prozent auf 10.225,92 Punkte und knüpfte damit an den Vortagsverlust an. Auf Wochensicht droht dem Börsenbarometer dadurch ein Minus von knapp 4 Prozent; die Bilanz für den September sieht kaum besser aus. Mit dem Verlust folgt der deutsche Leitindex den schwachen Börsen in den USA und Asien.

Bank spricht von "Schwankungen"

Die Bank betonte in einer Stellungnahme ihre Stabilität und verwies auf die umfangreiche Liquidität von mehr als 200 Milliarden Euro. Ein Manager der Bank sprach von normalen Schwankungen und einem "normalen Vorgang". Es habe in dieser Woche sowohl Zu- als auch Abflüsse gegeben. Schließlich seien gleichzeitig andere große Investoren bei der Bank eingestiegen. Insgesamt würden mehr als 800 Fonds dem Unternehmen weiterhin die Treue halten.  

In der Chefetage der Bank in Frankfurt am Main ist die Nervosität aber offensichtlich hoch. Vorstandschef John Cryan wendete sich mit einem Brief an die 100.000 Beschäftigten und rief sie dazu auf, Ruhe zu bewahren. "Unsere Bank ist Gegenstand heftiger Spekulationen geworden, immer neue Gerüchte führen dazu, dass unser Aktienkurs inzwischen heftigen Ausschlägen unterliegt", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Schreiben des Briten. Am Markt seien Kräfte unterwegs, die das Vertrauen in Deutschlands größtes Geldhaus schwächen wollten. "Unsere Aufgabe ist es nun, dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst."

Gerüchte um Staatshilfen

Die Bank steht derzeit unter anderem wegen einer drohenden Milliardengeldbuße in den USA unter Druck. Das US-Justizministerium hat wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) gefordert – die Deutsche Bank hält dies für viel zu hoch und geht von einer deutlich niedrigeren Summe aus.

Weil die Rücklagen des Finanzunternehmens für Rechtsstreitigkeiten nur etwa 5,5 Milliarden Euro betragen, gab es in den vergangenen Tagen mehrfach Gerüchte über Pläne für Staatshilfen. Der ZEIT liegen Informationen vor, wonach die Bundesregierung entsprechende Notfallpläne vorbereitet. Offiziell wurde dies dementiert. Zugleich schloss Cryan eine Kapitalerhöhung zum jetzigen Zeitpunkt aus. Die Frage stelle sich derzeit nicht. "Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Deutsche Bank, was ihre Bilanz angeht, so sicher wie heute", versichert der Bankchef in ihrem Brief an die Mitarbeiter. Mit ihren Liquiditätsreserven habe sein Institut "einen überaus komfortablen Puffer."