"Currywurst, Schawarma, Frikadellen und Thunfischbrötchen": Die Speisekarte eines neu eröffneten Berliner Imbissladens in Kreuzberg liest sich eigentlich unspektakulär. Selbst wer weiterliest dürfte hier – mitten im gentrifizierten Bergmannkiez – kaum überrascht sein. Denn bei Der vegetarische Metzger ist alles fleischlos.

Längst ist vegetarisches oder veganes Essen, das an Fleisch, Fisch, Käse oder Ei erinnert, kein Trend der Metropolen mehr. Spätestens seit sich ausgerechnet die großen Fleischproduzenten Rügenwalder, Wiesenhof und Meica mit vegetarischen und veganen Würstchen, Schnitzeln und Buletten an den Markt begeben haben, ist fleischloser Lifestyle zu einem Massenphänomen geworden. Die Hersteller freuten sich zuletzt über Umsatzzuwächse zwischen 20 und 30 Prozent im Fleischersatzsegment.

Doch die Veggie-Nuggets, -Schnitzel oder -Bratwürste sind nach wie vor Neuland für die Unternehmen. Und wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest nun zeigt, enthalten einige Produkte so große Mengen an Schadstoffen, dass sie langfristig die Gesundheit gefährden können. Sechs vegetarische oder vegane Produkte enthalten demnach hohe Mengen sogenannter Mosh (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons). Diese gesättigten Kohlenwasserstoffe stammen aus Mineralöl und gelten laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als "potenziell besorgniserregend".

Ausgerechnet das vegetarische Schnitzel des Marktführers Rügenwalder enthält 400 Milligramm des Schadstoffs pro Kilogramm. Die EFSA nimmt an, dass wir pro Tag normalerweise etwa 0,1 Milligramm pro Kilogramm zu uns nehmen. "Die Mineralöl-Rückstände lagern sich ein Leben lang in den Organen an und können zu sehr hoher toxischer Belastung führen", sagt Konrad Grob. Der Schweizer Toxikologe arbeitet für die EFSA und fordert, endlich einen Grenzwert für Mosh in Nahrungsmitteln einzuführen. In menschlichen Geweben haben die Forscher höhere Rückstände entdeckt als bei Ratten, die extrem hohen Dosen ausgesetzt wurden.  


Neben dem Rügenwalder Veggie-Schnitzel sind dem Test nach auch Bio-Würstchen von Netto und Alnatura mit Mineralöl-Schadstoffen belastet. Auch die vegetarischen Würstchen der Marken Alberts, Viana und Taifun wurden deshalb abgewertet. "Der vergleichende Warentest gibt uns die Möglichkeit zu sagen, dass es andere Hersteller eben auch ohne Schadstoffe schaffen", sagt Birgit Rehlender, Projektleiterin bei der Stiftung. Tatsächlich gibt es auch Sieger unter den getesteten Fleischalternativen, die kaum belastet sind. Die Funde zeigten deshalb schlicht "schlechte Herstellungspraxis", sagt Rehlender.

Mit den betroffenen Produkten stehen damit ausgerechnet jene Lebensmittel in der Kritik, die als ethisch korrekter und als gesünder gelten und auch als solche beworben werden. Zwar lesen sich die Zutatenlisten der PFleischersatzprodukte – neben den Hauptbestandteilen aus Soja, Seitan oder Lupinen machen hier Wasser, Verdickungsmittel, Hühnereiklar, Aromen und Gewürze den großen Anteil aus – mitunter abenteuerlicher als die echter Fleisch- und Wurstprodukte. Tatsächlich sind sie aber generell betrachtet die gesündere Alternative zu Fleisch und können wegen ihrer geringeren CO-Bilanz das Klima schonen.

Mineralölrückstände in Lebensmitteln werden zwar immer wieder entdeckt, zuletzt in Pfefferkörnern oder in Adventskalenderschokolade. Die Funde im Rügenwalder-Schnitzel sind allerdings die zweithöchsten, die die Stiftung Warentest je gefunden hat.