Wer mit Amerikanern über TTIP sprechen möchte, bekommt oft fragende Blicke. Die Mehrheit hat von dem geplanten Freihandelsabkommen mit der EU noch nie etwas gehört. Selbst politisch Interessierte vermuten einen Versprecher: Sicher sei doch TPP gemeint, das ebenfalls umstrittene Freihandelsabkommen mit zwölf Ländern aus dem pazifischen Raum, um dessen Ratifizierung durch den Kongress Präsident Obama derzeit kämpft.

TTIP könnte in Europa demnächst nach einer großen öffentlichen Debatte scheitern, in den USA ist es nie bekannt geworden. Von Industrievertretern abgesehen interessiert sich kaum jemand für das Abkommen. Dabei ist Freihandel in dem Land durchaus ein Thema. Donald Trump hat es durch die Ankündigung, als Präsident nur noch bilaterale Vereinbarungen treffen zu wollen, zu einem zentralen Bestandteil der politischen Debatte gemacht. Bei der TV-Debatte konnte er fast nur bei diesem Thema punkten.

Trumps These ist, dass Ausländer den freien Zugang zum US-Markt dazu nutzen könnten, Amerikanern ihre Jobs wegzunehmen und US-Produkte mit Billigware zu verdrängen. In seiner Beschreibung ist Handel kein Austausch von Gütern, sondern Krieg: Es gibt Nationen, die gewinnen, und andere, die verlieren.

Für Trump gehörten die USA zuletzt zu den Verlierern. Die nordamerikanische Freihandelszone Nafta, zu der neben den USA auch Kanada und Mexiko gehören, nennt er einen "schlechten Deal", ein "Desaster" und eine "Katastrophe". Dabei vergisst er nie zu erwähnen, dass Nafta unter Präsident Bill Clinton in Kaft trat – dem Ehemann seiner Rivalin Hillary.

Schadet Freihandel?

Unter Ökonomen besteht allerdings keine Einigkeit darüber, wie viele US-Jobs beispielsweise durch die billigere mexikanische Konkurrenz tatsächlich verloren gegangen sind. Eine viel zitierte, aber auch kritisierte Studie des linksliberalen Economic Policy Institute kommt auf bis zu 700.000 Arbeitsplätze, die vorwiegend in der Industrie verloren gegangen sein sollen. 

Industrievertreter nennen andere Faktoren wie die Automatisierung und den technologischen Wandel als Hauptursachen für den Jobverlust. "Wir produzieren in den USA mehr als je zuvor, nur eben auf eine moderne Art und Weise", sagt Linda Dempsey vom Industrieverband National Association of Manufacturers. Ausländische Absatzmärkte seien unabdingbar, um die bestehenden Stellen zu halten und neue zu schaffen.

Für die Arbeiter in den am stärksten betroffenen Regionen und Branchen der USA begann der Abstieg allerdings zeitgleich mit Nafta. Die Stammwähler der Demokraten sahen sich in ihrer Not von ihrer Partei verlassen. Das erklärt zum Teil den Aufstieg von Donald Trump und zugleich Hillary Clintons schlechte Umfragewerte bei weißen Männern. "Die Parteibasis der Demokraten war eigentlich immer gegen diese Abkommen, doch das ist von der Parteispitze ignoriert worden", sagt Melinda St. Louis von Global Trade Watch, einer Bürgerinitiative, die Handelsabkommen kritisch beobachtet.