Was haben die großen Nationen dieser Welt nicht schon alles ausprobiert. Ihre Regierungen haben mit gigantischen Finanzspritzen versucht, die Wirtschaft anzukurbeln, sie bauten Brücken, Tunnel und Hochgeschwindigkeitsstrecken. Dann senkten die Notenbanken die Leitzinsen bis nahe Null, sie machten es billig wie nie, Schulden aufzunehmen und mit dem Geld zu investieren.

Doch das Wirtschaftswachstum kam nicht in Schwung. Es bleibt bei relativ geringen 2,4 Prozent Zuwachs im Jahr. Auch die Verhandlungen um mehr Freihandel werden zumindest in der nächsten Zeit keine neuen wirtschaftlichen Impulse bringen.

Nun wollen die führenden Wirtschaftsnationen ein neues Rezept ausprobieren, allen voran Deutschland und China. Auf dem G20-Gipfel in der ostchinesischen Stadt Hangzhou, der an diesem Montag zu Ende geht, haben sie sich darauf geeinigt, die Förderung der digitalen Wirtschaft zum neuen Schwerpunkt zu machen. Sie hoffen auf die vierte industrielle Revolution, auf Industrie 4.0.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping beschwor die G20-Länder, Innovationen zu fördern, die den Umbau der bisherigen Fließbandindustrie zu einer Industrie beschleunigen sollen, die auf Roboter und andere intelligente Maschinen setzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte an, dass im nächsten Jahr erstmals die für die digitale Wirtschaft zuständigen Minister im G20-Rahmen zusammenkommen werden. Deutschland übernimmt ab dem 1. Dezember die G20-Präsidentschaft. Bis zum nächsten G-20-Gipfel im kommenden Jahr in Hamburg soll ein Plan stehen, der zeigt, wie die globalen Produktions- und Lieferketten digital stärker vernetzen werden können.

Weg vom Image der Werkbank der Welt

Andrew Wyckoff hält das für eine gute Entscheidung. Wykckoff ist bei der OECD, der Vereinigung der entwickelten Industrieländer, zuständig für Wissenschaft und Technologie. Er ist zuversichtlich, dass die Digitalisierung unter deutschem G20-Vorsitz deutliche Fortschritten machen werde. Deutschland sei in diesem Bereich führend, sagt er; Europa als Ganzes habe bei Internetdienstleistungen gegenüber großen Märkten wie den USA oder China jedoch noch immer großen Nachholbedarf.

China arbeitet tatsächlich schon seit einigen Jahren an der Digitalisierung seiner Wirtschaft. Das Land will nicht mehr länger die Werkbank sein, die vor allem billige Produkte für den Weltmarkt herstellt, sondern High-Tech-Land, mit eigenen Innovationen und komplexen Technologien, die mit denen der führenden Industrienationen mithalten können.

Nicht zuletzt deshalb hatte Chinas Staatspräsident Xi die Stadt Hangzhou auch zum Austragungsort des G20-Gipfels gemacht. Der einstige Kaisersitz, rund 200 Kilometer von Shanghai entfernt, ist unter anderem Hauptsitz von Alibaba, Chinas größter Online-Handelsplattform und damit auch eine der größten Welt. Tausende von digitalen Start-up-Unternehmen sind in Hangzhou entstanden.