Das größte Problem für die Obamacare-Börsen: Nicht genügend Bürger beteiligen sich daran. Nur insgesamt 12 Millionen Amerikaner haben eine Versicherung über die Obamacare-Börse abgeschlossen – eindeutig zu wenig, um das Programm für die Versicherer profitabel zu machen.

Hinzu kommt, dass die Obamacare-Versicherten die Verluste für die Unternehmen in die Höhe treiben. Es sind vorwiegend ältere Menschen mit einer medizinischen Vorgeschichte, die diese Leistungen in Anspruch nehmen. Junge Menschen, die wenige Leistungen benötigen, ziehen es häufig vor, sich gar nicht zu versichern und stattdessen die milden Strafgebühren zu zahlen, die unter dem Obamacare-Gesetz für Nicht-Versicherte anfallen.

So hat etwa das Start-up Oscar in New York, das günstige Obama-Versicherungen anbietet, im vergangenen Jahr für seine 50.000 Versicherten durchschnittlich 3.600 Dollar ausbezahlt – eine zu hohe Summe pro Kopf. Das Unternehmen machte hohe Verluste. In Colorado und Oregon zahlten die Obama-Versicherungen 20 Prozent mehr aus, als sie einnahmen. In North Carolina machte der größte Versicherer, Blue Cross, in den Jahren 2014 und 2015 400 Millionen Dollar Verluste.

20 Millionen Amerikaner ohne Versicherung

Der inzwischen mehrheitlich republikanische Kongress erleichterte die Dinge nicht eben. Die Konservativen blockierten in den vergangenen zwei Jahren sämtliche Subventionszahlungen an die Versicherungen, die durch das Gesetz eigentlich vorgesehen waren.

So scheint das Projekt, allen Amerikanern eine bezahlbare Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, vorläufig gescheitert zu sein. Noch immer haben mehr als 20 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung. Laut Politico ist es dennoch weiterhin theoretisch möglich, das Ziel der umfassenden Versorung zu erreichen, doch "nur wenn die Gesetzgeber an einem Strang ziehen". Das ist jedoch – unabhängig vom Ausgang der bevorstehenden Wahl – kaum zu erwarten.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump will das Obamacare-Gesetz sogar völlig abschaffen und zur freien Marktwirtschaft zurückkehren. Die Demokratin Hillary Clintons plant, Obamacare auszubauen, dürfte in Washington aber auf große Widerstände stoßen. Das Grundproblem der Obama-Gesundheitsreform würde Clinton jedoch auch nicht lösen, wenn alle ihre Vorschläge angenommen würden. Denn sie hat nicht vor, in das System der rein privatwirtschaftlich organisierten Krankenversicherung einzugreifen. Eine Gesundheitsversorgung für alle aber scheint sich in den USA nicht mit dem freien Markt zu vertragen.