Selbst wenn Griechenland alle geplanten Strukturreformen und Sparmaßnahmen umsetzt, ist ein weiterer Schuldenerlass seitens der Gläubiger aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) unausweichlich. Dies ist das Ergebnis einer Prüfung des hoch verschuldeten Landes durch den IWF in der vergangenen Woche. Die Schulden Athens seien trotz aller bisherigen Reformen weiter gestiegen – was belege, dass die griechische Wirtschaftsleistung nicht mit den anspruchsvollen Maßnahmen in Einklang zu bringen sei, teilte der Fonds am Wochenende mit.

Die Ziele der Gläubiger seien unrealistisch, heißt es darin weiter. Es könne angesichts der wirtschaftlichen Situation mit einer zweistelligen Arbeitslosenquote nicht davon ausgegangen werden, dass Griechenland "einfach aus seinen Schulden herauswächst". Um wieder ein nachhaltiges Wachstum zu erlangen, seien weitere Schuldenerleichterungen notwendig.

Der IWF kritisiert schon lange, dass die internationalen Gläubiger davon ausgehen, Griechenland könne dauerhaft einen Primärüberschuss – also eine positive Haushaltsbilanz ohne Berücksichtigung von Schuldenlasten – von 3,5 Prozent erreichen.

IWF fordert weitere Rentenkürzungen

Aber nicht nur mit den anderen Gläubigern, sondern auch mit dem Land selbst geht die Institution hart ins Gericht. Zwar habe Griechenland enorme Opfer gebracht, um so weit zu kommen, wie man jetzt sei. Dennoch seien weitere umfassende Maßnahmen unumgänglich, darunter erneute Rentenkürzungen sowie die Abschaffung vieler Steuererleichterungen.

Im Mai hatte der IWF weitgehende Schonfristen für Griechenland gefordert: Die Laufzeit der Kredite aus den drei Eurorettungsprogrammen solle insgesamt bis 2080 verlängert werden, außerdem solle Griechenland erst 2040 mit der Rückzahlung beginnen müssen.