Das Ergebnis ist eindeutig: 95 Prozent der Verbraucher in Deutschland kennen das Label, das bei Kühlschränken, Waschmaschinen und anderen Elektrogeräten den Energieverbrauch kennzeichnet – und 84 Prozent sagen in einer Umfrage des Umweltbundesamtes von 2014 auch, dass das Etikett sie in der Kaufentscheidung beeinflusse.

Die Zahlen mögen etwas überzogen sein, der tatsächliche Anteil energieeffizienter Geräte am Gesamtabsatz ist niedriger. Aber grundsätzlich zeigt die Untersuchung: Die Kennzeichnung wirkt und das Kaufverhalten hat positive Folgen für die Umwelt, weil bei geringerem Stromverbrauch weniger CO2 entsteht.

Was beim Energielabel funktioniert, soll auch bei einer weiteren Kennzeichnung fruchten, die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) plant und in ihrem Integrierten Umweltprogramm 2030 in knappen Worten skizziert: ein "zweites Preisschild", das "die Umweltwirkungen, also u. a. Umweltschäden und Ressourcenverbrauch, von besonders umweltrelevanten Produkten und Dienstleistungen darstellen soll". Das Ziel: den Verbrauchern bei einer nachhaltigen Kaufentscheidung zu helfen.

Sie sollen beim Kauf etwa eines Tablets künftig sehen, ob bei seiner Herstellung besonders viele Ressourcen oder seltene Rohstoffe verwendet wurden, was die Umwelt belastet. Aber Hendricks denkt nicht nur an Elektrogeräte, sondern – allerdings nachrangig – auch an die Kennzeichnung von Lebensmitteln. Schließlich werden beispielsweise in der Massentierhaltung auch große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Beim Koalitionspartner hält man wenig von Hendricks' Konzept: Man wolle den Verbraucher nicht bevormunden, heißt es sowohl aus der CDU wie der CSU.

Konsumenten neigen dazu, negative Reize auszublenden

Unter Umweltforschern stößt das Konzept indes auf Zustimmung. "Transparenz ist positiv. Es ist gut, wenn die Verbraucher über die Produkteigenschaften, die sich hier über die Wertschöpfungskette erstrecken, Bescheid wissen", sagt Dietlinde Quack, Expertin im Bereich Produkte und Stoffströme am Öko-Institut in Freiburg. Sie ist allerdings gegen ein Label, das nur die umweltschädlichen Produkte hervorhebt: "Die Kennzeichnung muss für alle Produkte einer Warengruppe obligatorisch sein, damit der Verbraucher sinnvoll vergleichen kann – etwa welches Smartphone weniger ressourcenbelastend ist als ein anderes."

Andrea Gröppel-Klein, Professorin für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes, sieht ein Negativlabel ebenfalls kritisch. "Es wirkt weniger gut als die Kennzeichnung positiver Eigenschaften, denn viele Konsumenten neigen dazu, negative Reize auszublenden oder bewusst den Blick auf Negativreize zu vermeiden", sagt die Expertin.

Doch wie viel bewirkt ein Label auf der Verpackung überhaupt? Untersuchungen zu Nährwert- und Gesundheitsangaben bei Lebensmitteln zeigen zumindest eine Tendenz: Im Schnitt schauen hier Verbraucher nur zwei Sekunden auf die Verpackung und davon Millisekunden auf die speziellen Angaben. Allerdings schauen Kunden bei Elektrogeräten länger hin als bei Waren des täglichen Bedarfs. "Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die geplante Kennzeichnung wahrgenommen wird, zumindest höher", sagt Gröppel-Klein.