Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird die Erwerbslosigkeit im kommenden Jahr nicht durch die verstärkte Einwanderung steigen. "Es wird im kommenden Jahr trotz der vielen Flüchtlinge keinen nennenswerten Anstieg der Arbeitslosigkeit geben", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise der Passauer Neuen Presse. Im September hatte seine Behörde nach Angaben der Bild-Zeitung 171.958 Arbeitslose aus Asyl-Ländern registriert, 89.514 mehr als im Vorjahr, ein Plus von 108,6 Prozent.

Weise leitet auch bis Ende des Jahres das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Er beklagte erhebliche Probleme bei der Rückführung sogenannter Dublin-Flüchtlinge, die bereits in einem anderen EU-Land registriert worden waren. "Wir haben in diesem Jahr bereits in rund 34.400 Fällen andere Mitgliedstaaten gebeten, die bei ihnen erstregistrierten Asylsuchenden zurückzunehmen. 18.000 Mal haben die zuständigen Staaten zugestimmt – aber in nur rund 2.400 Fällen ist die Rückführung bereits gelungen", sagte Weise. "Das scheitert aber häufig daran, dass diese Länder die Menschen nicht aufnehmen wollen oder können. Zum Teil erhalten wir noch nicht einmal eine Antwort von den zuständigen Behörden."

Am Freitag hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière mitgeteilt, dass im Jahr 2015 rund 890.000 Asylsuchende gezählt wurden. Ursprünglich waren die Behörden von 1,1 Millionen Menschen ausgegangen. Laut dem Ministerium wurden bislang 820.000 Asylanträge "vollständig registriert".

Bamf-Chef Weise sagte der Oldenburger Nordwest-Zeitung, der bestehende Rückstand bei den Asylanträgen könne "bis zum Frühjahr abgearbeitet werden" – abhängig vom künftigen Zuzug. "Wir rechnen für unsere Arbeitsplanung damit, dass es in diesem Jahr unterm Strich gut 300.000 sein werden." Laut Innenminister de Maizière seien in diesem Jahr bis zum 21. September 210.000 Flüchtlinge in der Bundesrepublik registriert worden.