Gestiegene Sorgen vor einem "harten" Brexit haben das britische Pfund stark unter Druck gesetzt. Sowohl im Verhältnis zum US-Dollar als auch zum Euro war die britische Währung noch schwächer als unmittelbar nach dem Brexit-Votum. Das Pfund fiel auf den tiefsten Stand seit 1985. Ein Pfund kostete zwischenzeitlich nur noch 1,2757 Dollar beziehungsweise 1,1422 Euro.

Hauptgrund für die Verunsicherung an den Finanzmärkten ist eine Rede der britischen Premierministern Theresa May vom Sonntag. Dabei hatte sie das weitere Vorgehen zu den anstehenden Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union vorgestellt. Die Brexit-Verhandlungen sollen demnach spätestens im März 2017 beginnen. Mit einem sogenannten Great Repeal Bill (Großes Abschaffungsgesetz) solle die "Herrschaft des EU-Rechts über Großbritannien ein Ende nehmen", sagte May. Und: "Wir verlassen die EU nicht, um noch einmal die Kontrolle über die Einwanderung abzugeben."

Die Ankündigung einer harten Haltung beim Thema Einwanderung macht eine Einigung auf einen Verbleib des Landes im Binnenmarkt der EU-Länder unwahrscheinlicher. Dies werde kaum ohne wirtschaftlichen Folgen bleiben und damit einen Einfluss darauf haben, wie attraktiv Anlagen in das Pfund Sterling künftig seien, schrieb Esther Reichelt, Expertin bei der Commerzbank. "Solange sich in dieser Frage keine gütliche Einigung abzeichnet, bleibt das Pfund deshalb unter Druck."

Wert des Britischen Pfund in Euro

Während es am britischen Devisenmarkt nach unten ging, stiegen die Kurse an der Londoner Börse kräftig. Der Leitindex FTSE überstieg erstmals seit 16 Monaten wieder die Marke von 7.000 Punkten. Ein schwaches Pfund macht britische Aktien aus Sicht des Auslands erschwinglicher. 

Außerdem kann ein schwaches Pfund die britische Exportindustrie stärken, weil deren Produkte auf dem Weltmarkt billiger und damit wettbewerbsfähiger werden. Dies ist aus Sicht von Experten auch ein wichtiger Grund dafür, dass das Brexit-Votum die Stimmung in der britischen Industrie bislang nicht nachhaltig schwächen konnte. Positiv dürften an den Börsen zudem Signale von Finanzminister Philip Hammond aufgenommen worden sein, der angekündigt hatte, die Staatsausgaben zu erhöhen, um die Wirtschaft zu stützen.