Nahrungsmittel sind nicht nur Gegenstand von unethischen Finanzspekulationen – sie sind offenbar auch als Geschäftsmodell interessant. So lässt sich erklären, dass die globale Landnahme weiter zunimmt: Weltweit sind seit dem Jahr 2000 insgesamt 26,7 Millionen Hektar Agrarflächen von Investoren gekauft worden. Das geht aus einem Bericht des Land-Matrix-Projektes hervor, das den großflächigen Landerwerb erfasst und auswertet. Demnach befinden sich mittlerweile rund zwei Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens in der Hand von Investoren.

Kritiker des sogenannten Land-Grabbings werfen den Unternehmen vor, bevorzugt Staaten mit schwachen Landrechten, aber einem hohen Schutz für Anleger auszuwählen. Betroffen seien daher vor allem Länder, die schlecht in die Weltwirtschaft eingebunden seien und in denen viele Menschen hungerten. Dort würden die Investoren mit den lokalen Bauern in Konkurrenz um Land treten.

Die Kritik wird von dem Bericht in Teilen bestätigt. Demnach sind besonders afrikanische Staaten von der Landnahme betroffen. Dort bestehen 422 von insgesamt 1.004 registrierten Abkommen. Doch auch in Osteuropa sind viele Investoren aktiv: Hier wurden seit 2000 insgesamt 96 Verträge geschlossen, bei denen es um 5,1 Millionen Hektar Land geht. Betroffen seien vor allem dicht besiedelte Gegenden, heißt es in der Auswertung. "Dies führt unvermeidbar zu einem erhöhten Wettbewerb um Land, was neue Konflikte zur Folge hat."

Den Daten zufolge werden zudem überwiegend Gebiete gekauft, die schon zuvor landwirtschaftlich genutzt wurden. Diese Erkenntnis unterstützt die These, dass lokale Bauern verdrängt werden. "Wir beobachten, dass immer mehr Agrarflächen nicht nur den Besitzer gewechselt haben, sondern zunehmend aktiv bewirtschaftet und genutzt werden – zum Beispiel für den Anbau von Getreide, Ölpalmen und Zuckerrohr", sagt die Co-Autorin des Berichts, Kerstin Nolte vom Giga-Institut in Hamburg. Die Auswirkungen für die betroffenen Bevölkerungsgruppen würden sich in den nächsten Jahren vermutlich weiter verschärfen.

Auch deutsche Investoren sind dabei

Die meisten Investoren stammen dem Bericht zufolge aus Malaysia, gefolgt von den USA, Großbritannien, Singapur und Saudi-Arabien. Investoren aus Westeuropa sind in 315 Abkommen mit einer Gesamtfläche von 7,3 Millionen Hektar involviert und bilden damit die größte Anlegerregion.

Unternehmen aus Deutschland sind den Daten zufolge an immerhin 26 Landnahmeabkommen mit einer Gesamtfläche von 433.000 Hektar beteiligt. Ein großer Akteur ist laut Land Matrix das in Berlin ansässige Unternehmen Amatheon Agri, das seit 2013 im großen Stil Ländereien in Sambia, Uganda und Simbabwe gekauft hat.

Land Matrix ist ein Projekt von mehreren großen Organisationen der Entwicklungspolitik und -forschung. Beteiligt sind unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und die International Land Coalition, zu der Institutionen wie die Weltbank und die Vereinten Nationen sowie Nichtregierungsorganisationen gehören.