Eine "Informationsstelle für Kariesprophylaxe" will einen vor Karies schützen – zumindest sollte man meinen, dass das ihr eigentlicher Auftrag ist. Doch ihr geht es um etwas anderes: Sie will die öffentliche Meinung dahingehend beeinflussen, dass fluoridiertes Salz gut für die Zähne sei. Bezahlt wird die Stelle von der Salzindustrie, die fluoridhaltiges Salz verkaufen will. Die "Informationsstelle" ist ein Deckmantel.

Auch der "Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten" sorgt sich bereits seit Jahrzehnten um unsere Zähne. Er empfiehlt, dass wir alles essen können, wenn wir nur richtig kauen und danach die Zähne ordentlich putzen. Dass Zucker schädlich für die Zähne ist, wird verschwiegen. Vielleicht weil die Zuckerlobby die Initiative betreibt?

Nicht nur Zahnhygiene, auch Schmerzen oder Vitamine sind beliebte Themen, zu denen man im Internet wissenschaftliche Vereine findet. Sie wollen mit Pressemitteilungen, Broschüren, Infotelefonen und sogar Spielen für den Kindergarten angeblich neutral aufklären. Doch einige von ihnen haben eben andere Interessen. Hinter ihnen stecken die Pharmakonzerne Sanofi, Pfizer oder Mundipharma sowie die Lebensmittellobby. Nur: Für Patienten ist das nicht transparent.

Diese "Foren", "Arbeitskreise" oder "Initiativen" werden für die Unternehmen von PR-Firmen betrieben. Dadurch sollen der eigentliche Sender verschleiert werden und die Information glaubwürdiger erscheinen. Die Öffentlichkeitsarbeitsvereine betreiben, teilweise schon seit Jahrzehnten, getarntes agenda setting für die Themen der Industrie. Selbst renommierte Wissenschaftler lassen sich dafür einspannen.


In der aktuellen Ausgabe der ZEIT berichten wir über die Strategien und Erfolge von Pharmakonzernen und Lebensmittelherstellern mit den versteckten Lobbygruppen und zeigen, wie es einem Konzern mit einem Tarnverein gelang, eine Krankheit zu etablieren, für die er Jahre zuvor ein Arzneimittel erfunden hatte. Heute zahlen die Krankenkassen für diese teure Therapie.

Doch wie können Sie verhindern, nicht auf diese Täuschungen hereinzufallen? Wir zeigen Ihnen einige einfache Tricks, um Tarnvereine der Industrie zu entlarven und einige Hinweise für Profis, die es genau wissen wollen.

Nur ein Thema

Stutzig werden sollten Sie, wenn eine vermeintlich wissenschaftliche Fachgesellschaft nur ein Thema hat: den Jodmangel beheben, über Vitaminmangel aufklären, Tipps für Schmerz bei Kindern geben. Dabei ist es egal, ob der angeblich neutrale Verein sich "Gesellschaft" oder "Forum" nennt und damit wohl nicht ganz unzufällig an eine echte Fachgesellschaft erinnern möchte.

Echte Ärztefachgesellschaften klären stets über ein breites Spektrum an Themen ihres Fachbereichs auf, nicht nur über einzelne Phänomene oder Krankheitsbilder.

Alles so einseitig hier

Sie suchen Informationen über Vitamine und landen im Internet bei der "Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung (Give) e. V."? Obacht. Hinter der vermeintlich neutralen Fachgesellschaft steckt eine Agentur aus Stuttgart, im Auftrag vom Weltmarktführer für synthetische Vitamine und Pharmaunternehmen.