Doch Moskau ist weit davon entfernt, ein neues Kalifornien zu werden. Die Start-ups in Skolkowo konnten 2015 nur umgerechnet 18,7 Millionen Euro aufbringen. Zum Vergleich: Im Silicon Valley wurden im gleichen Jahr 25,7 Milliarden Euro in Start-ups investiert.

Die ungewisse Wirtschaftslage und die schwierige politische Situation in Russland führen dazu, dass sich viele ausländische Investoren zurückhalten. "Das Geld inländischer Venture-Capital-Gesellschaften fließt dagegen vermehrt in den Westen – aufgrund geringerer Risikoerwartung und besseren Gewinnaussichten", sagt Arseniy Gromov, Investmentdirektor bei Rambler & Co, einem russischen Tech-Unternehmen.

Die russische Wirtschaft braucht Reformen, darüber herrscht auch im Kreml weitgehend Einigkeit. Doch die Ideen gehen auseinander, auch bei der Umsetzung gibt es Probleme. Allerdings: Es ist etwas passiert, wie eine aktuelle Studie von Irina Dezhina vom Skolkovo Institut für Wissenschaft und Technik in Moskau zeigt. Die russische Regierung hat 2011 begonnen, Technologie-Plattformen einzuführen. 2012 folgten Innovationscluster nach europäischem Vorbild, um die Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu verbessern.

Die russische Regierung hat 2012 auch einige Institutionen ins Leben gerufen, mit dem Ziel Innovation zu fördern. Die Russian Venture Company (RVC), die Russian Corporation of Nanotechnologies (RUSNANO) und die Skolkowo Foundation etwa. Insgesamt betrachtet "lösen sie die Probleme des Innovationssystems aber nicht", sagt ein Technologie-Experte aus Moskau, der bei einem großen amerikanischen Tech-Unternehmen arbeitet und wegen der Spannungen zwischen Russland und den USA namentlich nicht genannt werden möchte.

"Der Tech-Markt ist attraktiv, aber er gehört noch lange nicht zur Weltspitze", sagt Investment-Experte Gromov. Bisher fließe wenig Venture-Capital in langfristige Entwicklungen und bahnbrechende Innovationen. Auch bei der Feinabstimmung von staatlichen Innovationsfonds gebe es Probleme.

Oft sehen Politiker die Zukunft, die vor ihnen liegt, nicht. Auch in Russland ist das so. "Sie müssen junge Wissenschaftler und Gründer jetzt fördern. Und alles daran setzen, dass die russische Tech-Szene explodiert und nicht implodiert", sagt die Petersburger Innovationsexpertin Yanykina.

Neue Märkte müsse man erschließen und die Krise als Chance verstehen. Innovative Technologien nicht nur fördern, sondern auch Abnehmer dafür finden, meint Yanykina. "Russlands Regierung und private Investoren müssen vor allem Projekte erkennen, die von hohem gesellschaftlichen Nutzen sind und sich weniger auf solche konzentrieren, die nichts weiter als Aufmerksamkeit und vielleicht Prestige bringen", erklärt der Investment-Experte Gromov.