In der Türkei arbeiten einem TV-Bericht zufolge syrische Flüchtlingskinder in Textilfabriken. Sie seien teils zwölf Stunden pro Tag an ihrem Arbeitsplatz und erhielten nur einen geringen Lohn, hieß es in einem Vorbericht zu einem Beitrag der BBC. Die Kinder fertigen demnach unter anderem Kleidung für Einzel- und Onlinehändler wie Marks & Spencer (M&S) und Asos an.

Das jüngste arbeitende Flüchtlingskind sei 15 Jahre alt und bügele mehr als 12 Stunden am Tag Kleidung, die dann nach Großbritannien geliefert und dort verkauft werde. Auch erwachsene Geflüchtete würden illegal beschäftigt, fanden die Journalisten bei ihrer verdeckten Recherche heraus. Die Flüchtlinge bearbeiteten etwa Jeans von Mango und Zara mithilfe von Chemikalien und ohne ausreichenden Schutz. Dabei erhielten sie weniger als der türkische Mindestlohn und seien über einen Mittelsmann beschäftigt, der sie in bar auf der Straße bezahle.

In den Fabriken würden die Flüchtlinge schlecht behandelt, sagte einer den Journalisten. Die BBC zitierte den Flüchtling mit den Worten: "Wenn irgendetwas einem Syrer passiert, werden sie ihn rauswerfen, als sei er bloß ein Stück Stoff."

Vertreter von M&S, Asos und Mango zeigten sich besorgt über den Bericht. M&S und Mango sagten, bei früheren Kontrollen sei kein Hinweis auf eine Beschäftigung von Flüchtlingen oder Kindern gefunden worden. Eine Sprecherin von Asos sagte, die Vorwürfe würden "unglaublich ernst" genommen.

Der Textilkonzern Inditex wies die Vorwürfe gegenüber ZEIT ONLINE zurück. "Inditex, unser Mutterkonzern zu dem auch Zara gehört, toleriert Kinderarbeit in keiner Weise", sagte eine Sprecherin. Die Wäscherei Goreteks, die in dem BBC-Beitrag im Zusammenhang mit Zara genannt werde, sei bereits vor den Filmaufnahmen von Inditex überprüft worden. Dabei seien Gesundheits- und Sicherheitsmängel entdeckt worden. "Wichtig zu betonen ist, dass Inditex bei drei unangekündigten Besuchen der Wäscherei im Juni, September und Oktober keine syrischen Arbeiter bei Goreteks vorgefunden hat, die nicht registriert waren", so die Sprecherin weiter. Die Wäscherei habe eine Frist von Inditex bis Dezember erhalten, Verbesserungen umzusetzen, um Bestandteil der Lieferkette zu bleiben.

Erdoğan: Flüchtlinge sind gut für Arbeitgeber

In der Türkei leben etwa drei Millionen syrische Flüchtlinge. Schon im Juli hatte die Nachrichtenagentur Reuters Belege dafür veröffentlicht, dass geflohene syrische Kinder in der Türkei in Kleiderfabriken arbeiten mussten.

Über die illegale Beschäftigung von Flüchtlingen hatte im Februar auch ZEIT ONLINE berichtet. Murat Erdoğan, Migrationsforscher an Ankaras Hacettepe-Universität sagte, dass die Flüchtlinge gut für die Arbeitgeber seien, "weil sie so billig sind". Mit Papieren und Versicherung müsse ein Arbeitgeber pro Mitarbeiter mindestens 2.500 Lira im Monat ausgeben. "Kein einziger von denen wird das machen, also werden die Flüchtlinge weiter illegal arbeiten."

Anmerkung: In einer früheren Version war das Zitat im letzten Absatz fälschlich dem türkischen Präsidenten zugeordnet. Richtig ist, dass diese Zitate von dem Migrationsforscher Murat Erdoğan stammen. Wir haben diesen Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.