Datenpakete im Nu rund um die Welt zu verschicken, das ist längst keine Hexerei mehr. E-Mails landen innerhalb von Sekunden beim Empfänger, WhatsApp-Nachrichten noch viel schneller. Sprachnachrichten und Internettelefonate werden sogar in Echtzeit ausgetauscht. Nur das Versenden von Geld dauert immer noch Tage. Manchmal einen, manchmal auch zwei, je nachdem, welche Bank daran beteiligt ist und wie man die Versendung in Auftrag gegeben hat.

Dabei wechselt längst kein realer Schein mehr den Besitzer, es werden auch hier lediglich Datenpakete ausgetauscht. Gemessen an ihrer Geschwindigkeit ist die Geldüberweisung ein absoluter Anachronismus. Aber bald sollen die langen Laufzeiten der Geschichte angehören, wenn es nach den Banken geht.

Einige europäische Großbanken, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, arbeiten zusammen mit der Europäischen Zentralbank (EZB) an einem technischen System, das die Überweisung von Geld innerhalb von Sekunden ermöglichen soll. Quasi in Echtzeit könnten dann Rechnungen beglichen, Geldtransfers abgewickelt und Produkte in Onlineshops bezahlt werden – per Onlinebanking oder per App. Daran tüfteln die Geldinstitute schon seit zwei Jahren, aber im nächsten Jahr solle dieses System marktreif sein, bekräftigte die EZB dieser Tage. "Instant Payment" soll es heißen.

Aber warum wollen ausgerechnet die Banken den Zahlungsverkehr beschleunigen, wo sie doch bisher daran verdient haben? Schließlich gaben sie das ein- und ausgehende Geld ihrer Kunden nicht sofort weiter, sondern arbeiteten erst noch ein paar Tage damit, um selbst ein paar Zinsen einzustreichen. Zumindest war das früher so. Obwohl es stets nur kleine Beträge waren, erzielten die Geldhäuser mit diesem Overnight Banking insgesamt Zinsgewinne in Millionenhöhe, beziffern Branchenexperten. Selbst bei kleineren Banken sollen sechsstellige Beträge hängengeblieben sein. Bei jährlich sechs Milliarden Überweisungen rechneten sich die langen Laufzeiten.

Aber das ist passé. Die europäischen Gesetzgeber und die EZB haben diesen Teil des Geschäftsmodells mittlerweile nahezu zum Erliegen gebracht. Zuerst durch die Zahlungsverkehrsrichtlinie, die seit 2012 vorschreibt, dass Überweisungen EU-weit nur noch einen Tag dauern dürfen (werden sie in Papierform eingereicht, sind es zwei Tage). Und zuletzt dadurch, dass der Zinssatz für Übernachtgeschäfte zwischen den Banken immer weiter gegen null rutschte. Im März dieses Jahres senkte die Zentralbank den Einlagensatz für die Übernachtanlage sogar auf minus 0,4 Prozent ab.

Die technische Umstellung kostet erst mal Geld

"Angesichts der aktuellen Zinspolitik der EZB würde sich aus einer Einführung von Instant Payment derzeit kein schmerzlich spürbarer Zinsverlust für Banken ergeben", sagt daher Sven Korschinowski, Zahlungsverkehrsexperte der Beratungsgesellschaft KPMG. Wenn Banken heute überschüssige Liquidität über Nacht parken, müssen sie dafür sogar Geld zahlen. Da können sie das Geld auch sofort weiterreichen – so pragmatisch könnte man die Entscheidung fürs Instant Payment erklären.

Offiziell feiert die Branche die Echtzeitüberweisung aber vollmundig als "Produktangebot für die Zukunft" und betont deren "großes Potenzial", sie sei ein "Schritt in Richtung Echtzeitwirtschaft". Die entgangenen Erträge durch den fehlenden Übernachthandel holen sich die Kreditinstitute jetzt ohnehin an anderer Stelle von den Kunden zurück, indem sie Bearbeitungsgebühren für Papierüberweisungen erheben und indem etliche Banken wieder Kontoführungsgebühren verlangen oder diese anheben.

Das Instant Payment kostet die Branche aber erst einmal Geld. Wie viel genau, beziffert derzeit noch keiner der europäischen oder deutschen Bankenexperten. Auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hält sich mit Zahlen bedeckt: "Für die technische Umstellung sei eine ganz neue Verarbeitungslogik notwendig", dazu seien "umfangreiche Investitionen erforderlich", heißt es beim BdB. Genauer wird der Verband nicht, denn "der Aufwand kann von Bank zu Bank unterschiedlich sein, konkrete Zahlen kennen wir hier nicht".

Das bremst den Prozess noch. Zunächst müssen die Banken nämlich die technischen Systeme schaffen, damit der Geldtransfer innerhalb von Sekunden auch von den Abwicklern geprüft werden kann. Bisher sammelten die alle Überweisungsdaten im Laufe des Tages, reichten sie abends im Paket an die Deutsche Bundesbank weiter, die prüfte jeden Transfer und erteilte dann die Freigabe. Bald muss das ganztägig im Sekundentakt funktionieren.