Die erste Regel im Umgang mit den Finanzmärkten lautet: Man sollte sich nicht von ihnen verrückt machen lassen. Geldanleger neigen zur Überreaktion, und was nach unten geht, kann auch wieder nach oben gehen. Insofern ist der Kurseinbruch an den Weltbörsen nach dem Wahlsieg von Donald Trump noch kein Grund, in Panik zu verfallen.

Auch als die Briten für den Brexit stimmten, gingen die Aktienkurse auf Talfahrt – um sich wieder zu erholen, als klar wurde, dass die Notenbanken sich im Zweifel mit neuen Liquiditätsspritzen gegen eine Zuspitzung der Lage stemmen würden. Das ist auch diesmal das wahrscheinlichste Szenario, auch wenn der amerikanische Präsident mehr Schaden anrichten kann als die britische Premierministerin. Zur Not wird die US-Notenbank die eigentlich fest vorgesehene Zinserhöhung im Dezember eben noch einmal verschieben.

Die Voraussetzung für ein solches vergleichsweise positives Szenario ist jedoch, dass Donald Trump seine verrücktesten Wahlversprechen – etwa hohe Strafzölle auf chinesische und mexikanische Produkte oder den Austritt aus der Welthandelsorganisation – kassiert. Maßnahmen wie die geplanten Steuersenkungen vor allem für die Reichen mögen unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten fatal sein. Rein ökonomisch betrachtet aber richten sie nur wenig Schaden an und könnten, vor allem wenn sie durch zusätzliche Kredite finanziert werden, das Wirtschaftswachstum sogar kurzfristig stützen.


Wenn Trump allerdings umsetzt, was er angekündigt hat, droht in den USA eine Rezession, die auch die gesamte Weltwirtschaft mit in den Abgrund reißen könnte. Entscheidend wird sein, wie Trump mit dem institutionellen Unterbau der Weltwirtschaft umgehen wird. Drängt er die amerikanische Notenbankchefin Janet Yellen aus dem Amt? Besetzt er das Finanzministerium mit kompetenten Fachleuten? Wie wird er sich in internationalen Wirtschaftsgremien wie den G7 und G20 verhalten, die eingerichtet wurden, damit internationale ökonomische Konflikte auf friedlichem Weg gelöst werden können? Wird er sie überhaupt ernst nehmen?

Donald Trump, ein Präsident der Abschottung Die US-Amerikaner haben sich entschieden: Donald Trump wird wohl am 20. Januar 2017 Präsident der Vereinigten Staaten. Ein Szenario, was passieren könnte....

Amerikanische Experten sind sich da nicht so sicher – und darin liegt die eigentliche Gefahr von Trump. Denn auch wenn die Schwellenländer in den vergangenen Jahren an Einfluss gewonnen haben: Letztlich sind die USA der Garant der Weltwirtschaftsordnung, wie wir sie kennen. Wenn die Amerikaner sich ihrer Verantwortung entziehen, ist diese Ordnung am Ende.

Genau das fürchten Ökonomen wie Adam Posen, Direktor des renommierten Peterson Institute for International Economics in Washington. Er setzt darauf, dass "China und Deutschland die Weisheit besitzen, ein mögliches Führungsvakuum zu füllen". Womöglich wird es Zeit für neue Allianzen.