Es ist nur wenige Monate her, dass Peter Thiel zum ersten Mal für Donald Trump warb. Doch seit dem Auftritt des Hightech-Milliardärs aus dem Silicon Valley beim Parteitag der Republikaner im Juli und seinem erneuten Eintreten für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten an diesem Montag ist eine Menge passiert. Spätestens seit den Veröffentlichungen über Trumps sexistische Äußerungen fällt es selbst vielen Republikanern mittlerweile immer schwerer, den Kandidaten ihrer eigenen Partei zu unterstützen. Führende Konservative sprechen sich sogar offen gegen Trump aus.

Nicht so der Investor Thiel. In ihm hat Trump einen unverbrüchlichen Unterstützer. "Wir stimmen für Trump, weil wir die Führung unseres Landes als gescheitert ansehen", sagte Thiel bei seiner kurzen Rede vor dem National Press Club in Washington. Es ist der Frust über den Status quo, der den Milliardär aus dem Technologie-Tal mit den arbeitslosen Trump-Wählern in Ohio und Pennsylvania vereint.

Schon mit seinem Auftritt im Juli hatte Thiel – der sein Vermögen vor allem mit dem Bezahldienst PayPal und frühen Investitionen in Facebook gemacht hat – für hochgezogene Augenbrauen gesorgt. Im Tal der Internetkonzerne hat Trump sonst wenig Anhänger. Dass nun ausgerechnet der Nationale Journalistenverband den Tech-Milliardär eingeladen hatte, um wenige Tage vor der Wahl noch einmal für Trump zu kämpfen, überraschte erneut.  

Denn seit Thiel sich in einen Rechtsstreit zwischen dem Wrestling-Star Hulk Hogan und der Gossip-Seite Gawker eingeschaltet und die Medienfirma so in den Konkurs getrieben hatte, gilt er für viele Journalisten als gefährlicher Präzedenzfall einer neuen Milliardärsklasse, die ihre Dollar nutzt, um unliebsame Berichterstattung wegzuklagen. Auch diesmal kritisierte er die Medien, nun für ihren Umgang mit Trump. Journalisten hätten Trump "immer wörtlich genommen, aber niemals ernst", dabei müsse es genau andersherum sein.

Es ist dieses Argument, das dem Milliardär erlaubt, den republikanischen Präsidentschaftskandidaten trotz aller Kontroversen noch immer zu unterstützen. Denn für ihn geht es um etwas Größeres als Trump. Thiel steht für ein libertäres Weltbild, demzufolge nichts funktioniert, woran der Staat maßgeblich beteiligt ist. Verkrustete Strukturen und eine selbstgefällige Elite sind in dieser Sichtweise Schuld daran, dass es um das Gesundheitssystem, die Bildung und den Außenhandel in den USA so schlecht bestellt ist.  Anstatt die Probleme anzugehen, verschwende Amerika heute Milliarden an Steuerdollar für "weit entfernte Kriegsschauplätze". Geld auszugeben und Probleme zu lösen sei nicht dasselbe, so Thiel.

Die Insider in der Hauptstadt würden die negativen Folgen dieser Strategie zwar genauso wenig zu spüren bekommen wie die Bewohner der Tech-Region um San Francisco. Doch die Blase platze, sobald man diese Grenzen verlasse. In Trump sieht Thiel die Chance, das marode System ausreichend zu erschüttern, um es nach eigenen Vorstellungen wieder aufzubauen. Es sei kein Wunder, so Thiel, "dass die Menschen für Bernie Sanders und Donald Trump stimmen, der jetzt der einzig verbliebene Außenseiter im Rennen ist."

Kritik aus dem Silicon Valley

Die Rolle des Außenseiters gefällt auch Thiel, sie ist das verbindende Element zwischen ihm und Trump. Wie dieser vertritt er Positionen, mit denen er sich weit außerhalb des gesellschaftlichen Mainstreams stellt. So bezeichnete er einst in einem Essay das Wahlrecht für Frauen als Fehler, ihre Uni-Ausbildung als Verschwendung. Während die Republikaner von Steuernachlässen besessen seien, seien die Demokraten Geiseln von Gewerkschaften, deren Mitglieder bezahlt würden, "egal ob sie ihren Job erledigen oder nicht", lautet eine andere Grundsatzkritik von Thiel. Auch vor Skurrilitäten schreckt er nicht zurück. Der Tod  etwa ist für ihn eine Krankheit, die es zu überwinden gilt.  

Erst vor wenigen Tagen war Thiel von seinen Kollegen im Silicon Valley erneut scharf kritisiert worden, als bekannt wurde, dass der PayPal-Gründer den Wahlkampf von Trump mit einer Spende von 1,25 Millionen Dollar unterstützt hatte – kurz nachdem die Veröffentlichung von Aufnahmen mit abfälligen Äußerungen Trumps gegenüber Frauen Amerika schockiert hatten. Gleich mehrere Firmen, an denen Thiel beteiligt ist, darunter auch Facebook und der Wagniskapitalfonds Y Combinator, gerieten unter Druck, die Zusammenarbeit mit ihm zu beenden.