Ob Donald Trump sich daran noch erinnert? Im Dezember 2009 machte sich Barack Obama auf den Weg nach Kopenhagen, um dort am Klimagipfel der Vereinten Nationen teilzunehmen – jenem Klimagipfel, von dem man sich damals nicht weniger als die Rettung der Welt erhoffte. Und in der New York Times erschien eine ganzseitige Anzeige.

Es war ein offener Brief an den Präsidenten Obama und den US-Kongress, in dem stand: Der Gipfel von Kopenhagen werde das Schicksal des Planeten entscheiden. "Wir drängen euch, stärkere (Klima-)Gesetze zu verabschieden und die Welt zu führen, indem ihr ein Beispiel seid ... Wenn wir jetzt nicht handeln, das ist wissenschaftlich unbestreitbar, wird das katastrophale und nicht rückgängig zu machende Folgen für die Menschheit und den Planeten haben." Stelle man die Wirtschaft aber auf saubere Energien um, werde das Arbeitsplätze schaffen und das Wachstum ankurbeln.

Unter den Unterzeichnern waren Donald Trump und seine Kinder Eric und Ivanka. Was sie damals getrieben hat, ist schwer zu sagen; Trumps Wahlkampfbüro ließ Anfragen von US-Medien zu dem Brief unbeantwortet.

Klimapolitische Überzeugung scheint es jedenfalls nicht gewesen zu sein. Denn schon zwei Monate später vertrat Trump eine fundamental andere Position. Es war die gleiche wie später im Wahlkampf. Er glaube nicht an den von Menschen gemachten Klimawandel, sagte er; die Erderwärmung sei eine Erfindung der Chinesen, um der US-Wirtschaft Schaden zuzufügen; seine Regierung werde die heimischen Kohlegruben wieder öffnen und aus dem Klimavertrag von Paris aussteigen.

Ratlos in Marrakesch

Streng genommen kann er den Vertrag zwar erst nach einer Schonfrist von drei oder vier Jahren kündigen. Aber angeblich sucht sein Team schon nach einer Abkürzung.

Wie wird die Klimapolitik der USA unter einer Regierung Trump aussehen? Es ist die Frage, die sich auf dem Klimagipfel in Marrakesch alle stellen. Eine klare Antwort darauf kann freilich noch niemand geben. 

Donald Trump - Ein Klimawandel-Skeptiker im Weißen Haus Für den 45. US-Präsidenten ist der Klimawandel Schwindel. Im Wahlkampf versprach er, Kohle und Fracking zu fördern und einen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen zu prüfen. Dagegen formiert sich Protest.

"Trump ist nicht als Person bekannt, die sich ihren früheren Aussagen verpflichtet fühlt", sagt Steve Herz von der Naturschutzorganisation Sierra Club. Selbst Jonathan Pershing, der Klima-Sondergesandte des Nochpräsidenten Obama, sah sich am Montag nicht in der Lage, Auskunft über die mögliche Richtung der künftigen US-Klimapolitik zu erteilen. Man habe noch nicht mit dem Übergangsteam des gewählten Präsidenten Trump reden können und deshalb keine näheren Informationen, sagte Pershing auf einer Pressekonferenz. "Aber wir freuen uns darauf, mit ihnen zu sprechen." Alles Weitere sei reine Spekulation, an der er sich nicht beteiligen werde.

Es herrscht also Unsicherheit. Offiziell aber verbreiten in Marrakesch alle Optimismus. Ob Regierungsdelegationen, Thinktanks oder Umweltschützer, sie verkünden eine Botschaft: Selbst Donald Trump kann den Übergang zu einer sauberen Wirtschaft nicht mehr stoppen. Nicht weltweit, und nicht einmal in den USA. Doch allein die Häufigkeit, in der sie es sagen, lässt vermuten, dass sie sich da gar nicht so sicher sind. Warum sonst hätten sich die Unterzeichnerstaaten so sehr beeilt, das Pariser Abkommen vor der US-Wahl in Kraft treten zu lassen? Warum sonst sollte der noch amtierende US-Außenminister John Kerry auf seinem Weg nach Marrakesch erklären, seine Regierung werde in der ihr noch bleibenden Zeit "alles uns Mögliche tun, um unsere Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen zu erfüllen"?

Die USA sind für fast 20 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Obamas Regierung war maßgeblich am Zustandekommen des Paris-Abkommens beteiligt, und sie hat den Vertrag als eine der Ersten ratifiziert.