Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich für einen Amtsverbleib seiner Chefin Christine Lagarde ausgesprochen – trotz eines Schuldspruchs gegen die ehemalige französische Finanzministerin wegen Fahrlässigkeit im Amt. Das oberste Direktorium habe volles Vertrauen in die Französin, teilte der IWF in Washington mit. Die 60-Jährige habe sich viel Respekt und Vertrauen erarbeitet und könne ihren Aufgaben weiterhin effektiv nachkommen. Das Gremium umfasst Mitglieder aller 189 IWF-Mitgliedsstaaten.

Lagarde war am Montag von einem Sondergericht in Paris schuldig gesprochen worden. Bei dem Schuldspruch geht es um eine umstrittene staatliche Schadenersatzzahlung über 400 Millionen Euro an den Geschäftsmann Bernard Tapie. Lagarde, die zum Zeitpunkt der Affäre 2008 französische Finanzministerin war, wurde vor allem zur Last gelegt, nichts unternommen zu haben, um die Zahlung anzufechten.

Mit ihrer "Nachlässigkeit" habe Lagarde wesentlich dazu beigetragen, dass öffentliche Gelder veruntreut worden seien, urteilten die Richter. Sie verzichteten jedoch darauf, eine Strafe gegen Lagarde zu verhängen.

Die IWF-Chefin kündigte in Washington an, das Urteil nicht anfechten zu wollen. Zwar sei sie nicht glücklich mit dem Schuldspruch. "Aber es gibt einen Punkt, an dem man aufhören muss." Ihre Arbeit beim IWF wolle sie fortsetzen, erklärte Lagarde.