Der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 85 Jahren, wie die Notenbank mitteilte.

Der gebürtige Westfale war von 1993 bis 1999 Präsident der Deutschen Bundesbank und war der erste Deutsche, der als Vertreter im Rat der Europäischen Zentralbank saß. Den Weg zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion habe er maßgeblich mitgestaltet, teilte die Bundesbank mit. 

Tietmeyer war der letzte Bundesbankchef zu Zeiten der Deutschen Mark, die am 1. Januar 1999 vom Euro als Buchgeld und drei Jahre später auch als Bargeld abgelöst wurde. Sein Amt gab er im Sommer 1999 ab, als die Kurse der europäischen Währungen bereits aneinander gebunden waren und die Finanzmärkte in Euro rechneten.

Durch den Wegfall der Wechselkursrisiken im Euro-Raum, prophezeite er dem Euro 1998 eine große Zukunft. Die Aussichten für Wachstum und Beschäftigung würden sich verbessern. Zugleich mahnte Tietmeyer die damalige Politik weitsichtig, ihren Teil zur Stabilität der Währung beizutragen: Die Geldpolitik könne weder der Finanz- noch der Sozial- und Lohnpolitik ihre Aufgaben abnehmen.

Als CDU-Mitglied verfasste Tietmeyer 1982 für den damaligen FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff das Lambsdorff-Papier, das den Bruch der sozialliberalen Regierung und den Sturz von SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt einleitete.

Seine Karriere begann Tietmeyer 1962 als Beamter im Bonner Wirtschaftsministerium. Zwanzig Jahre später wechselte er als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium. Als persönlicher Beauftragter bereitete er für den damaligen CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl die internationalen Wirtschaftsgipfel vor. 1988 scheiterte die terroristische RAF mit einem Anschlag auf ihn. Nach seiner Zeit in Frankfurt als Bundesbankpräsident saß Tietmeyer in zahlreichen Gremien und Aufsichtsräten.