Wer hofft, dass die US-amerikanische Energie- und Klimapolitik unter Donald Trump vielleicht doch nicht ganz so katastrophal wird, klammert sich alle paar Tage an neue Meldungen: Trump habe in einem Interview mit der New York Times relativiert, dass er den Klimawandel als Schwindel sehe. Trumps Tochter Ivanka, die als wichtige Ratgeberin gilt, wolle den Klimawandel zu ihrem Thema machen. Trump habe mit Ex-Vizepräsident Al Gore gesprochen, und Gore nannte das Treffen hinterher "sehr interessant".

Es ist nur allzu menschlich, nach Lichtblicken Ausschau zu halten. Doch sieht man nüchtern auf das, was Donald Trump wirklich tut, besteht alles andere als Grund zur Hoffnung. Gerade hat der künftige US-Präsident bekannt gegeben, wer neuer Chef der Umweltbehörde EPA werden soll: Scott Pruitt. Der 48-Jährige ist derzeit Justizminister des Bundesstaates Oklahoma – und bekannt als Verbündeter der Kohle- und Erdölindustrie.

Nun ist die EPA nicht irgendeine Behörde. Sie ist viel mächtiger als etwa das deutsche Umweltbundesamt. Sie hat mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das Jahresbudget beträgt mehr als acht Milliarden US-Dollar. Sie ist einerseits aktiv in der Forschung, andererseits verantwortlich für Erlass und Durchsetzung von Gesetzen und Vorschriften – nicht nur zum Schutz der Umwelt, sondern auch der Gesundheit. Volkswagen zum Beispiel hat in seiner Abgasaffäre die Macht der EPA schmerzlich zu spüren bekommen.

Weil die Republikaner mit ihrer Mehrheit im US-Kongress Gesetze verhindern konnten, war die EPA auch das wichtigste Instrument für die Klimaschutzpolitik des scheidenden Präsidenten Barack Obama. Im Rahmen des sogenannten Clean Power Plan wurden beispielsweise strenge Auflagen für den Kohlendioxidausstoß von Kohlekraftwerken erlassen.

Einfach abschaffen kann Trump die Umweltbehörde nicht

Gegründet wurde die EPA 1970 ausgerechnet unter einem Republikaner: Richard Nixon. Heute haben in den republikanischen Fraktionen in Senat und Repräsentantenhaus die Leugner des menschengemachten Klimawandels satte Mehrheiten. Die EPA ist ihnen regelrecht verhasst. Trump hat im Wahlkampf mehrfach angekündigt, die Behörde abzuschaffen. Doch weil sie per Gesetz ins Leben gerufen wurde, kann er sie nicht mit einem Federstrich beseitigen. Deutlich erfolgversprechender aus Sicht der EPA-Gegner ist es, der Behörde beispielsweise den Haushalt zu kürzen (wie es Trump auch schon für die Nasa angekündigt hat). Oder an ihre Spitze einen versierten Juristen zu setzen, der die Behörde und ihre Umweltauflagen von innen heraus schwächt, aushöhlt, verzögert.

Genau das tut Trump nun. Und Scott Pruitt ist (aus seiner Sicht) der ideale Kandidat. Er geht schon seit Jahren mit juristischen Mitteln gegen die Politik Obamas vor. Als Justizminister des Bundesstaates Oklahoma klagte er gegen Lockerungen der Einwanderungsbestimmung oder das Gesetz zur allgemeinen Krankenversicherung, Obamacare. Ebenso kämpfte er gegen den Clean Power Plan – in enger und verdeckter Kooperation mit Energiekonzernen, wie die New York Times vor zwei Jahren enthüllte.

Der Economist hat Pruitt als den "ambitioniertesten Gegner Obamas" bezeichnet. Er ist ein radikaler Verfechter der republikanischen Maxime, dass der Staat sich aus der Wirtschaft rauszuhalten habe. Um diese Forderung zu untermauern, behauptet Pruitt im Widerspruch zum Stand der Forschung, die Mitverantwortung des Menschen für den Klimawandel sei ja noch sehr unklar.

"Ignoriert, was Trump sagt"

Dass Pruitt kein Ausrutscher in Trumps Personaltableau ist, belegen andere seiner Ernennungen: Ins künftige Team für die Umweltbehörde hat er laut Medienberichten weitere langjährige EPA-Kritiker aus rechtskonservativen Thinktanks berufen sowie einen Anwalt, dessen Organisation reihenweise Klimaforscher verklagt hat. Doch größeres Aufsehen erregten diese Namen nicht.

Stattdessen gelingt es Donald Trump immer wieder, mit Andeutungen, Twitter-Botschaften oder populären Ankündigungen die begrenzte Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit zu okkupieren. Diese Woche zum Beispiel füllte er die Nachrichten mit dem Gore-Treffen oder dem vermutlich komplett folgenlosen Tweet, er finde das neue Präsidentenflugzeug von Boeing viel zu teuer. Davor sorgte beispielsweise seine Bekanntmachung für Wirbel, er habe doch längst alle seine Aktien verkauft – dass die Firmen, die er und seine Familie behalten werden, immer noch zu schweren Interessenkonflikten mit dem Präsidentenamt führen, geriet dabei aus dem Blick. Ein andermal kündigte Trump an, im Weißen Haus auf sein Gehalt zu verzichten – und kaum jemand berichtete über die geplanten Steuersenkungen, die ihm ein Vielfaches davon einbringen dürften.

"Ignoriert, was Trump sagt", schrieb kürzlich der linksliberale US-Blogger und Klimaexperte Joe Romm zu Recht. "Konzentriert euch auf das, was er tut, und wen er ernennt."