Kinder aus sozial schwächeren Familien haben es enorm schwer, ihre Talente und Fähigkeiten zu nutzen und Eigenverantwortung für ihr Leben übernehmen zu können. Frauen werden im Arbeitsmarkt deutlich diskriminiert und die Politik tut noch immer zu wenig, um dies zu beenden. Auch Menschen mit Migrationshintergrund haben es ungleich schwerer, ihre Fähigkeit zu nutzen und bei Bildung, im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft eine faire Chance zu bekommen.

Viele Vertreter der sogenannten Elite bestreiten das oder spielen das Problem herunter. Sie sehen kein Scheitern von Politik und Gesellschaft, die Ungleichheit zu adressieren und den sozialen Konflikt zu entschärfen. Einige behaupten, die Globalisierung oder Europa trügen Verantwortung für den zunehmenden politischen Extremismus und die Unzufriedenheit der Menschen. Andere wollen die Zuwanderung verantwortlich machen, die Schwierigkeiten der Integration von Flüchtlingen oder die Tatsache, dass Deutschland seit langem ein Einwanderungsland ist.

Abschottung ginge am Problem vorbei

Sie alle verstehen das Problem falsch: Die Unzufriedenheit rührt nicht aus einem kulturellen Konflikt. Weder die Globalisierung noch Europa sind schuld an ihr. Deshalb ist auch die von den Eliten anvisierte Lösung falsch. Die Politik zu renationalisieren, die Grenzen auch für EU-Bürger höher zu ziehen, Europa und seine Institutionen zu schwächen, andere Kulturen und Religionen in Deutschland abzulehnen – all das wird nicht das grundlegende Problem der sozialen Ungleichheit lösen.

Genauso falsch ist der gegenwärtige Versuch der Bundesregierung, die Bürger mit Geldgeschenken ruhigzustellen und sich Stimmen im kommenden Wahljahr zu erkaufen. Viele der diskutierten Rentenerhöhungen und Steuersenkungen kommen eben nicht den Menschen zugute, die diese Hilfe bräuchten. Und mehr Sozialausgaben lösen nicht das Problem der schädlichen und zu hohen sozialen Ungleichheit. Denn diese fordert eine massive Investitionsoffensive in Bildung und Ausbildung, in die Integration von Menschen in den Arbeitsmarkt und eine zielgenaue Stärkung der Sozialsysteme.

Es sind nicht die Menschen, die mit ihrer Unzufriedenheit über die hohe soziale Ungleichheit falsch liegen. Sondern es ist die Politik, die diese unbequeme Tatsache nicht wahrhaben möchte. Denn dies erfordert ein grundlegendes Umdenken hin zu einer zielgenaueren Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie große Investitionen. Der gewählte Weg der Ausweitung von staatlichen Transfers an zu meist eh schon privilegierte Gruppen wird nichts grundlegend am Problem der sozialen Ungleichheit in Deutschland ändern.