Es gibt in Deutschland ein Bollwerk gegen Fake News und all diese dubiosen Dinge dieser Tage, und das heißt Stiftung Warentest. Ihre Zeitschriften und Bücher besitzen eine Reputation, von denen Nachrichtenmedien nur träumen können. Sie ist der Inbegriff deutscher Effizienz: Mitarbeiter testen seit mehr als 50 Jahren seriös sinnvolle und unsinnige Produkte, geben unbarmherzig Schulnoten, Hersteller bangen oder jubeln und bevor eine große Neuanschaffung ansteht, kauft sich der deutsche Verbraucher erst mal dieses dicke test-Heft für 5,70 Euro.

Okay, da war das mit Ritter Sport und ein, zwei anderen Kleinigkeiten. Aber falls überhaupt nötig, korrigierte sich die Stiftung und stampft auch mal 60.000 Hefte ein. Nur wenige Mal hat sie vor Gericht verloren, noch nie wurde sie zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt. Obwohl keine Instanz die Testmethoden der Stiftung wirklich kontrolliert, haben ihre Noten für Produkte und Dienstleistungen eine enorme Auswirkung auf die Käufer und natürlich die Hersteller. Postfaktische Gesellschaft – war da was?

Jetzt will die Bundesregierung die Institution noch unabhängiger machen und das Stiftungskapital der Warentester erhöhen. Bis Ende nächsten Jahres wird der Stiftungszuschusses des Bundes um insgesamt 100 Millionen Euro auf 180 Millionen Euro aufgestockt.  Gleichzeitig sollen die jährlichen Zahlungen des Bundes schrittweise zurückgefahren werden. Am Ende soll die Stiftung allein von ihrem Stiftungskapital und den Heftverkäufen leben. Damit das klappt, müssten mittelfristig allerdings die Zinsen auch wieder steigen, so Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest.

Bisher finanziert sich die Stiftung zu fast 90 Prozent durch den Verkauf ihrer Publikationen, das bekannteste Heft test hatte 2015 eine monatlich verkauft Auflage von 421.000. Werbung gibt es darin nicht, damit nicht der Eindruck entsteht, Hersteller würden Einfluss nehmen. Was die Stiftung nicht selbst erwirtschaftet, glich die Regierung mit einem Zuschuss aus. Verbraucherschutzorganisationen in der ganzen Welt beneiden die deutschen Tester um ihr Stiftungsmodell. Vergleichbare Partnerorganisationen wie Euroconsumers sind Vereine, die auf Mitgliederbeiträge angewiesen sind.

Wenn so viele gute Nachrichten so kurz vor Weihnachten und in diesem verrückten Jahr zusammenkommen, herrscht in der Berliner Zentrale der Warentester traute Einigkeit. "Die Stiftung freut sich über diese großartigen Nachrichten, danke, danke, danke", sagt Vorstand Primus. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) spricht von einem der "wirklich guten Ergebnisse dieser großen Koalition". Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) nennt die Entscheidung einen wichtigen Schritt, "mit dem die Unabhängigkeit der Stiftung gesichert wird". Nicht nur von den Herstellern, sondern auch vom politischen Willen.

Wenn die Gäste aus der Politik auf die aktuellen Debatten um Falschmeldungen, Facebook oder den Rest des großen weiten Internets angesprochen werden, kann Stiftungsvorstand Primus nur müde lächeln. Selbst Testportale mit Kundenbewertungen im Internet können seiner Organisation, die einst Wirtschaftswunder-Macher Ludwig Erhard (CDU) als Kanzler auf den Weg brachte, nichts anhaben. Sie informiere eben "anbieterunabhängig, neutral, transparent und objektiv".

Und so eine Geschichte von Frust oder Freude mit den Warentestern kann ja auch irgendwie jeder erzählen:. "Das ist schon toll, wenn man in ein Fachgeschäft kommt und sagt, ich will das vom test-Heft getestete Produkt", schwärmt Kauder. Maas erzählt von selbstfahrenden Staubsaugern als letztes Erfolgserlebnis mit den Warentestern. "Da hatte ich keine Ahnung", sagt der Verbraucherschutzminister. Jetzt düse schon das zweite Gerät durch seine Wohnung. Die guten Nachrichten, es gibt sie noch.