Venezuela steckt ohnehin tief in einer politischen und wirtschaftlichen Krise, jetzt haben die Nachbarländer es obendrein aus dem bedeutendsten Wirtschaftsbündnis Südamerikas ausgeschlossen, dem Mercosur. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sprach von einem "illegalen Akt", seine Außenministerin Delcy Rodríguez von einem "Staatsstreich".

Die Gründungsmitglieder Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay beschlossen, das Land mit den größten Ölreserven der Welt dürfe vorerst nicht mehr dem Bündnis angehören. Venezuela habe vier Jahre nach Eintritt in den Mercosur 228 der 1.159 Bündnis-Regelungen noch nicht angenommen, erklärte Uruguays stellvertretender Außenminister José Luis Cancela nach Angaben der Zeitung El Observador. Es habe weder das Menschenrechtsprotokoll des Mercosur angenommen noch die Zollregelungen der Freihandelszone umgesetzt.

Während das wie Venezuela sozialistisch regierte Uruguay um Vermittlung im Streit bemüht war, stehen die konservativen Regierungen der anderen Länder klar auf Konfrontationskurs zu Venezuela.

EU-Mercosur-Abkommen wird wahrscheinlicher

Die Europäische Union und die Mercosur-Staaten hoffen, dass sie nach dem vorläufigen Scheitern von TTIP jetzt ein Freihandelsabkommen abschließen können – Venezuela hatte sich dagegen ausgesprochen. Die EU ist für den Mercosur mit Exporten im Wert von etwa 110 Milliarden Euro jährlich schon jetzt der wichtigste Handelspartner.

Die Mitgliedstaaten des 1991 gegründeten Mercado Común del Sur (Gemeinsamer Markt des Südens) wollen vor allem den Handel untereinander stärken. Im September hatten die Gründungsmitglieder Venezuela aufgefordert, bis zum 1. Dezember die Erfordernisse der Mitgliedschaft zu erfüllen; Venezuela ließ die Frist verstreichen.