Weil die Gesetze und Luftfahrtbehörden in Großbritannien und Frankreich den Einsatz von Drohnen eher erlauben als hierzulande, konzentrieren sich Zustellfirmen wie Hermes oder DPD in Deutschland auf bodengestützte Lieferroboter. Forscher sehen wegen der Sicherheitsrisiken bei Drohnen darin ohnehin das größere Potenzial für die Lieferlogistik der Zukunft. "Die Auslieferungsdrohne wird eher ein Nischendasein führen, aber fahrende Zustellroboter gehören in wenigen Jahren sowohl in Metropolen als auch in ländlichen Regionen zum Alltag", heißt es in einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik.

Die Minifahrzeuge, die äußerlich an einen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Hermes hat den Roboter 6D9 in diesem Jahr in drei Hamburger Stadteilen getestet. Dabei werden Pakete aus einem Paketshop automatisch zum Kunden befördert, der per SMS über die Lieferung informiert wird. Die Vision ist, dass ein Hermes-Mitarbeiter eines Tages über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht.

"Es ist erstaunlich, wie ausgereift das System schon läuft", sagte ein Hermes-Sprecher dem Tagesspiegel. Zwar sei 6D9 noch mit menschlicher Begleitung und "einem hohen Maß an manueller Unterstützung" unterwegs. Der Testbetrieb soll aber wahrscheinlich demnächst fortgesetzt werden, "weil wir uns für die Zukunft wappnen müssen", wie der Sprecher sagt. Bis 2015 erwarte Hermes eine Verdopplung des Paketaufkommens in Deutschland – bei gleichzeitig eingeschränktem Zugang für herkömmliche Fahrzeuge in den Innenstädten.

Autonome Miniroboter folgen dem Zusteller

Das große Thema autonomes Fahren könnte im kleinen Lieferverkehr auf der letzten Meile zum Kunden schneller Realität werden als im Individualverkehr auf der Straße: So denken Forscher an der RWTH Aachen, die mit DPD zusammenarbeiten, über Minitransporter nach, die dem Paketboten in Schrittgeschwindigkeit automatisch folgen. Der Zusteller könnte die Roboter unterwegs regelmäßig be- und entladen, müsste also nicht alle innerstädtischen Wege mit dem großen Transportfahrzeug erledigen.

Ähnliche Modelle entwirft der Logistikkonzern UPS in München: In der Stadt aufgestellte Verteilcontainer werden vom Lkw beliefert und die Pakete anschließend von UPS-Boten mit elektrischen Lastenrädern zugestellt. Auch die Deutsche Post DHL freundet sich mit bodengestützten Lieferrobotern an: Auf dem Innovation Day des Konzerns im November gewann der selbstfahrende Zustellwagen des französischen Start-ups Effidence die DHL Robotics Challenge.