Mit dem neuen Hauptstadtflughafen wird es auch 2017 nichts. "Nach den neuen Erkenntnissen, über die ich Ende vergangener Woche Vertreter der Anteilseigner informiert habe, ist das damit verbundene Risiko für eine Eröffnung des BER in diesem Jahr zu hoch", sagte der Vorsitzende der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Karsten Mühlenfeld.

Zuvor hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der seit etwa eineinhalb Jahren auch Chef des BER-Aufsichtsrates ist, auf einer Klausurtagung der Berliner SPD-Fraktion in Erfurt erklärt: "An dieser Stelle sind wir an einem Punkt, wo wir sagen müssen, 2017 kann nicht mehr funktionieren mit der Eröffnung." Angesichts des Baufortschritts in den vergangenen Jahren gehe Müller jedoch nicht davon aus, dass sich die Eröffnung des drittgrößten deutschen Flughafens bis 2019 oder 2020 verschiebt. "Nach allem, was jetzt vorliegt, sind wir tatsächlich in der Schlussrunde der Fertigstellung." Er rechne mit 2018 als Eröffnungstermin.

Schon im Dezember hatte sich abgezeichnet, dass auch der zuletzt geplante Eröffnungstermin 2017 nicht mehr zu halten sein werde. Eine offizielle Bestätigung gab es damals jedoch nicht. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft sagte lediglich: "Wir äußern uns im Januar. Wir wollen auf Basis einer verlässlichen Grundlage den Termin festlegen und das wird im Januar sein." Also jetzt. Laut Flughafenchef Mühlenfeld sollen die Folgen der erneuten Verschiebung in der nächsten Aufsichtsratssitzung besprochen werden. Diese ist für den 7. Februar geplant.

Müller sieht dabei die Geschäftsführung in der Pflicht, die Konsequenzen darzulegen, die sich aus den jüngst bekanntgewordenen Problemen mit 1.200 Türen ergeben. Zudem sei eine Runde mit beteiligten Firmen im Roten Rathaus geplant, mit denen die Zusammenarbeit "wieder nicht funktioniert" habe. "Wir werden in den nächsten zwei Wochen größere Sicherheit haben, wo wir stehen."

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur müssen im BER viele Türen neu verkabelt werden. Denn wenn sie im Brandfall nicht ordnungsgemäß schließen, ist eine planmäßige Entrauchung nicht möglich. Zudem gibt es möglicherweise noch Umbaubedarf an der Sprinkleranlage. Müssen dort Rohre ausgetauscht werden, hätte das langwierige Arbeiten in den Deckenhohlräumen über den Terminalgängen zur Folge.

Seit sechs Jahren in Verzug

Brandenburgs Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider bedauerte die erneute Verschiebung des Eröffnungstermins. Die aktuellen Informationen aus der Flughafengesellschaft ließen aber offensichtlich keine Alternative, sagte Bretschneider der dpa am Samstag. "Jetzt kommt es darauf an, dass baldmöglichst belastbar Klarheit über den Baustellen-Zustand und die weiteren Schritte bis zu einer Eröffnung geschaffen wird." Die Geschäftsführung sei hier klar gefordert. "Nur so können wir belastbar über einen realistischen Zeitplan reden."

Der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt in Schönefeld soll den Flughafen Tegel und den geschlossenen Flughafen Tempelhof ersetzen, später auch den Altflughafen in Schönefeld. Die deutsche Nummer drei ist für bis zu 27 Millionen Fluggäste jährlich ausgelegt. Weil das nicht reicht, wird der Ausbau geplant. Nach einem halben Dutzend Aufschüben für den Eröffnungstermin ist der Bau etwa sechs Jahre in Verzug.

Gründe dafür sind Technikprobleme, Baupfusch und Managementfehler. Die Kosten stiegen seit Baubeginn von 2 auf etwa 6,5 Milliarden Euro, teils durch Erweiterungen des Baus. Weitere Finanzspritzen für den Ausbau sind in Vorbereitung. Der leere Flughafen verschlingt jeden Monat 17 Millionen Euro Betriebskosten, zudem fehlen eingeplante Mieteinnahmen von 13 bis 14 Millionen.