In diesem Jahr kann in Deutschland ein neues Verfahren eingeführt werden, mit dem männliche Küken nicht mehr geschreddert werden. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt kündigte in der B.Z. am Sonntag an, dass bei der Entwicklung eines alternativen Verfahrens zum sogenannten Kükenschreddern der "Durchbruch geschafft" sei. "Deutschland hat mit dieser Technologie das ethische Problem des Schredderns gelöst."

Die umstrittene Massentötung männlicher Küken in der Geflügelwirtschaft würde damit überflüssig werden. Der CSU-Politiker Schmidt will das Verfahren zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche, die am 20. Januar beginnt, in Berlin vorstellen.

Bei dem entwickelten Verfahren wird das Geschlecht der Küken anhand von Lasertechnik noch vor dem Schlüpfen bestimmt. Nur die Eier mit weiblichen Embryonen werden dann weiter bebrütet. Die anderen Eier könnten in der Industrie weiterverarbeitet werden, da die Aufzucht männlicher Küken für Brütereien unwirtschaftlich ist.

Die Methode sei "eine wirtschaftliche, praxistaugliche und entsprechend schnelle Alternative" zum Schreddern, dem jährlich fast 50 Millionen Tiere zum Opfer fallen, sagte Schmidt. "Das Kükenschreddern soll gestoppt werden, aber die Eier-Produzenten in Deutschland gehalten werden. Deshalb waren an der Entwicklung der Verfahren auch Geflügelhalter und Brütereien beteiligt."

Den Anfang "in den Ausstieg aus dieser ethisch und moralisch inakzeptablen Praxis" des Schredderns kündigte der Agrarminister für 2017 an. Laut Tierschutzgesetz gebe es damit "keine gesetzliche Rechtfertigung mehr zum Töten männlicher Küken", ergänzte Schmidt. Die Technologie sorge für weltweites Interesse. "Es liegen bereits Anfragen aus anderen Ländern vor."

Recherchen der ZEIT hatten im Sommer 2016 ergeben, dass das Verfahren erst später Anwendung finden werde: Damals hatte ein an der Entwicklung beteiligter Forscher der Firma Evonta Technology gesagt, die Technik sei frühestens 2019 marktreif. Ein Forscherteam von Wissenschaftlern der Universität Leipzig und der TU Dresden arbeiten im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Dresdner Unternehmen Evonta Technology an dem Verfahren.

Der Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff sagte, Schmidt verliere sich wieder einmal in Ankündigungen. Seit zwei Jahren spreche er davon, dass das Kükenschreddern 2017 aufhören solle. "Doch das wird er mit unverbindlichen Technik-Vorführungen auf der Grünen Woche nicht erreichen, dafür braucht es verbindliches politisches Handeln und einen konkreten Fahrplan." Die Amtszeit Schmidts seien "verlorene Jahre für den Tierschutz".