Großbritannien verhält sich gleich doppelt verantwortungslos. Erstens: Das Land hat beschlossen, seine wirtschaftlichen Beziehungen zu zerstören, nicht nur zu den anderen europäischen Ländern, sondern zu der ganzen Welt – ohne dass wir eine Idee haben, was danach kommt. Zweitens: Wir Briten riskieren, dass sich die Europäische Union verkracht, mit chaotischen Folgen, nicht nur wirtschaftlichen, für die Welt. Premierministerin Theresa May gelang es in ihrer Rede über ihre Brexit-Politik nicht, diese Verantwortungslosigkeit zu verdecken.

May bestand darauf, dass während des Wahlkampfs um das Referendum klar gewesen sei, dass ein Austritt aus der EU auch den Austritt aus dem Binnenmarkt und der Zollunion bedeute. Tatsächlich aber waren die Wahlkampfaussagen der Brexit-Fürsprecher über die wirtschaftliche Zukunft verwirrend, und sie widersprachen sich auch gegenseitig – klarer und einer Meinung waren die Anhänger des EU-Austritts in ihrer Behauptung, eine fortgesetzte Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU werde uns islamistische Terroristen bringen.

Meinungsumfragen haben gezeigt, dass von denen, die für den Brexit gestimmt haben, nur eine Minderheit von einer vollkommenen Loslösung von der EU ausgegangen waren. Und sehr wenige erwarteten, dass wir Briten mehrere Jahre lang allein in der Welt würden bleiben müssen, ohne Handelsbeziehungen, während wir neue etablieren. Das ist es aber, was jetzt laut "dem Willen des Volkes" umgesetzt werden muss.

Was Trump und Putin eint

Die erste verantwortungslose Tat schadet lediglich uns selbst. Die zweite ist schlimmer, und hier sind sich die Brexit-Befürworter auch uneins. Die Mehrheit kümmert es nicht, was künftig mit der EU geschieht. Andere, unter ihnen die Premierministerin, sind der Ansicht, dass die Welt ein sicheres und starkes Europa nötig hat, und wollen es nicht schwächen. Eine dritte Gruppe aber will der EU bewusst schaden, weil sie erkennt, dass die Union stärker wäre als ein alleinstehendes Großbritannien.

Die am Freitag beginnende Präsidentschaft von Donald Trump in den USA stärkt die letztgenannte Brexit-Fraktion. Trump hat bereits klargemacht, dass er den Brexit als Beginn eines Zusammenbruchs der gesamten EU begrüßt. Er wünscht das ebenso wie einen Verfall der Nato und wahrscheinlich anderer internationaler Institutionen, weil er glaubt, dass die Vereinigten Staaten als stärkste Macht der Welt ohne solche Institutionen keine Kompromisse mit anderen eingehen müssten.

Dieses Ziel erklärt das seltsame Verhältnis von Trump zu Wladimir Putin. Der russische Präsident strebt aus seinen eigenen Gründen ebenfalls eine Welt ohne wichtige internationale Einrichtungen an. Es gibt zwischen Trump und Putin keine langfristige oder positive Übereinstimmung, nur den geteilten Wunsch nach einer Welt der konkurrierenden Nationen ohne zwischengeschaltete Institutionen. Marine Le Pen, die Vorsitzende des Front National in Frankreich, ist derselben Meinung, wenn sie den Brexit als ein Beispiel für die "Rückgabe des Patriotismus" und für einen Untergang des Internationalismus feiert.

Zwar lehnt Theresa May diese Betrachtungsweise vollkommen ab, doch es bleibt das Risiko, dass Großbritannien allmählich Teil dieses anti-internationalen Bundes werden könnte. Trump hat uns angeboten, was wir nach dem Brexit vor allem nötig haben werden: ein privilegiertes Handelsbündnis. Dafür wird Trump von Großbritannien einen Preis fordern: die Unterstützung für seine Außenpolitik.

Eine US-Politik gegen internationale Institutionen ist keine Eigenart Donald Trumps. Sie ist ein Hauptprojekt der Neokonservativen, die alleinstehende Vereinigte Staaten ohne Hemmnisse wollen. Ein erstes wichtiges Beispiel war der Krieg im Irak, den die USA gegen die Haltung der Vereinten Nationen und ohne die Unterstützung der Mehrheit der Nato-Mitglieder führten. Und die britische Labour-Regierung von Tony Blair war der engste Alliierte von George W. Bush.