In den vergangenen Tagen ist eine hitzige Debatte über das Gesetz für Lohngerechtigkeit entbrannt, das helfen soll, eine Diskriminierung bei Löhnen zwischen Männern und Frauen zu beheben. Es gibt viel Kritik an diesem Gesetz mit dem Argument, es gebe keine Diskriminierung gegen Frauen, und zudem sei dieses Gesetz wirtschaftlich schädlich.

Beide Argumente sind grundfalsch und werden von vielen Fakten widerlegt. Deutschland befindet sich bei der Gleichstellung von Frauen noch immer in der Steinzeit – gerade im internationalen Vergleich mit ähnlichen, vor allem den nordischen Ländern. Wir sollten endlich einsehen, dass die Gleichstellung nicht nur im Interesse von Frauen ist, sondern der gesamten Gesellschaft, auch von uns Männern. Gerade wirtschaftlich entgeht unserer Gesellschaft durch die Schlechterstellung von Frauen ein enormes Potenzial und damit Wohlstand.

Deutschland hat einen der größten Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in ganz Europa. Eine Frau verdient in Deutschland als Stundenlohn durchschnittlich 22 Prozent weniger als ein Mann. Für jeden Euro, den ein Mann verdient, bekommt eine Frau also nur 78 Cent.

Nur die Tschechische Republik und Estland haben in Europa einen höheren Unterschied, oder Gender-Pay-Gap. Der durchschnittliche Gender-Pay-Gap liegt in der EU um fünf Prozentpunkte niedriger als in Deutschland. Zudem ist der Gender-Pay-Gap in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland nicht merklich geringer geworden, hat sich aber in einigen anderen europäischen Ländern deutlich verbessert.

Die Kritiker des Gesetzes zur Lohngerechtigkeit argumentieren, dieser Gender-Pay-Gap sei zum größten Teil nicht auf eine Diskriminierung, sondern auf die freie Wahl von Frauen zurückzuführen. Drei Faktoren erklären einen großen Teil dieses Gender-Pay-Gaps von 22 Prozent – weil Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten, weniger in Führungspositionen vertreten sind und tendenziell eher in schlecht bezahlten Berufen tätig sind.

Aber spiegeln diese drei Faktoren wirklich die freie Wahl von Frauen wieder? Es ist richtig, dass Frauen viel häufiger in Teilzeit arbeiten. Umfragen zeigen jedoch, dass diese Frauen durchschnittlich gerne 10 Stunden mehr pro Woche arbeiten möchten. Sie können dies jedoch häufig nicht wegen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Tatsache, dass es an adäquaten Betreuungseinrichtungen für ihre Kinder mangelt.

Dass Frauen also häufiger in Teilzeit arbeiten, ist deshalb nicht unbedingt eine freie Wahl, sondern das Resultat einer noch immer unzureichenden Bildungs- und Familienpolitik – auch wenn man betonen muss, dass die letzten drei Bundesregierungen große Anstrengungen in der Familienpolitik unternommen haben.