Zählt man die Asylsuchenden aus den Jahren 2015 und 2016 zusammen, so sind mehr als eine Million Menschen nach Deutschland geflohen. Nach Informationen des Bundesamtes für Migration stellten 2015 rund 480.000 Menschen einen Asylantrag – im Jahresverlauf 2016 sollen es rund 750.000 gewesen sein (Ein aktueller Bericht hier als PDF zum Download).

Der Großteil davon kommt aus Syrien und Afghanistan, wo derzeit Krieg herrscht. In den beiden Jahren wurden knapp 400.000 Menschen als Geflüchtete anerkannt, etwa 155.000 erhielten subsidiären Schutz, und gut 25.000 durften wegen eines Abschiebeverbots bleiben. Etwas mehr als 400.000 wurden abgelehnt. Insgesamt dürfen also 580.000 Menschen von denen, deren Anträge bearbeitet sind, zunächst bleiben.

Dass die Aufnahme und Betreuung so vieler Geflüchteter Deutschland eine Menge Geld kostet, stimmt. Eine statistische Hochrechnung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) legt nun nahe: Die Zuwanderung könnte das deutsche Wirtschaftswachstum ankurbeln und die Kosten, die durch Asylsuchende entstehen, sogar ausgleichen. Demnach könne das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch die Neuankömmlinge bis 2020 um insgesamt rund 90 Milliarden Euro steigen, schreiben die Autoren.

Zu dieser Annahme kommen die Wirtschaftswissenschaftler, nachdem sie verschiedene Annahmen in einem Computermodell simuliert haben. Dabei haben die Ökonomen mehrere Szenarien durchgespielt. Da sie allerdings nur aufgrund vergangener Jahre hochrechnen können, wie sich das Wirtschaftswachstum unabhängig von der Zuwanderung entwickeln würde, wie viele weitere Schutzsuchende kommen werden und wie viele davon tatsächlich in Deutschland werden arbeiten können, sind die Zahlen nur ein wissenschaftlich fundierter Hinweis darauf, wie sich die Situation entwickeln könnte.

Das IW schätzt, dass das BIP in diesem Jahr rund 0,4 Prozent stärker wächst, als es ohne die Zuwanderung der Fall gewesen wäre. Bis 2020 könnte dieser Effekt bis zu einem Prozent betragen, heißt es in der Publikation. Wirtschaftliche Impulse erwarten die Ökonomen vor allem dadurch, dass durch die sprunghaft gestiegene Bevölkerungszahl mehr konsumiert werde und der Staat mehr Geld für Integrationsangebote ausgebe.

Allerdings dürfte die Erwerbslosenquote um rund 1,5 Prozent steigen, da nur ein Teil der Flüchtlinge in der nächsten Zeit einen Job finden wird. Asylsuchende, deren Aufenthaltsstatus noch nicht abgeschlossen ist, dürfen in Deutschland nicht arbeiten. Wer einen positiven Bescheid bekommt, darf einer Beschäftigung nachgehen. Wer lediglich einem Abschiebeverbot unterliegt, braucht eine gesonderte Arbeitserlaubnis. Es wird also nur ein Teil derjenigen, die derzeit in Deutschland leben, dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen. Und nur etwa die Hälfte davon wird nach den Berechnungen der Forscher in drei Jahren einen Arbeitsplatz gefunden haben.