Die soziale Ungleichheit in der Welt ist nach Erkenntnissen der Entwicklungsorganisation Oxfam deutlich größer als angenommen. Im Jahr 2016 hätten die acht reichsten Personen zusammen 426 Milliarden US-Dollar und damit mehr als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – 3,6 Milliarden Menschen mit 409 Milliarden US-Dollar – besessen, berichtete Oxfam. Die Organisation stellte ihren Bericht zum Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos vor.

Die Autoren der Studie riefen Regierungs- und Staatschefs auf, aktiv gegen die Ungleichheit vorzugehen. Ansonsten werde der öffentliche Unmut noch zunehmen und zu weiteren politischen Umwälzungen wie dem Brexit-Votum in Großbritannien und dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA führen.

Vor einem Jahr hatte Oxfam berechnet, dass das Vermögen der 62 reichsten Personen dem der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung entspreche. Neue Daten zeigten nun, dass die Ärmeren weniger besäßen als angenommen. Auch reiche Länder sind laut Oxfam von sozialer Ungleichheit betroffen. In Deutschland hätten 36 Milliardäre mit 297 Milliarden US-Dollar so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung.

Ungleichheit beschädigt sozialen Zusammenhalt

Diese Entwicklung hänge eng mit den Möglichkeiten reicher Menschen und internationaler Konzerne zusammen, sich Vorteile auf Kosten des Allgemeinwohls zu verschaffen, kritisierte die Organisation. Sie nutzten aggressive Steuervermeidung, verschöben ihre Gewinne in Steueroasen und trieben Staaten in einen ruinösen Wettlauf um Steuersätze. 

Weltweit fühlten sich immer mehr Menschen abgehängt, beklagte Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland. "Regierungen betreiben das Spiel der globalen Konzerne und reichen Eliten – und die Bevölkerung zahlt die Zeche." Dies beschädige den sozialen Zusammenhalt, behindere den Kampf gegen Armut und untergrabe den Glauben an die Demokratie. So bereite Ungleichheit den Boden für Rechtspopulisten.

Oxfam forderte einen weltweiten Mindeststeuersatz für Konzerne, die Schließung von Steueroasen, Transparenz bei Gewinnen und Steuerzahlungen internationaler Konzerne sowie Steuern auf sehr hohe Einkommen und Vermögen.