Es war nur eine kleine Retourkutsche, die von Kalifornien aus über Trump-Kernland hinweg bis zur Ostküste nach Washington schallte: "Ich habe von niemandem aus der Trump-Regierung auch nur ein Dokument gesehen, das die genauen Umstände erklärt, ob Melania Trumps Aufenthaltsstatus komplett legal war", sagte Nancy Skinner aus Berkeley, Mitglied des kalifornischen Senats, am Montag vor laufenden Kameras und verlangte vom Weißen Haus, doch bitte die Einreisedokumente der First Lady und gebürtigen Slowenin zu veröffentlichen.

Die schön böswillige Reaktion der demokratischen Senatorin auf das von Donald Trump erlassene Einreiseverbot ließ das Weiße Haus natürlich unkommentiert. Diese Spitzfindigkeit sagt dennoch eine Menge aus über den Stand der Dinge in der amerikanischen Politik in den ersten Tagen unter Präsident Trump – und über die Opposition, die ihm aus Kalifornien noch entgegenschlagen könnte.

Wie sehr sich Politiker an der Westküste Sorgen um den Bundesstaat und seine Bürger machen, konnte man vergangene Woche am verknitterten Gesichtsausdruck von Jerry Brown ablesen. Der demokratische Gouverneur von Kalifornien konzentrierte sich in seiner jährlichen Rede zum State of the State dieses Mal weniger auf hiesige Angelegenheiten. Vielmehr zeigte er merklich mit dem Finger in Richtung Washington, als er sagte: "Wir werden jeden verteidigen – jeden Mann, jede Frau und jedes Kind – der hierher gekommen ist, um ein besseres Leben zu führen, und zum Wohle unseres Staates beiträgt."

Kalifornien blicke nach der Wahl in eine "unsichere Zukunft", fügte Brown hinzu. Zwar stünden Bundesgesetze über den Gesetzen Kaliforniens, dennoch werde der Bundesstaat seine schützenden Maßnahmen für Immigranten ohne Dokumente aufrechterhalten. Kalifornien beschränkt zum Beispiel die Kooperation mit Bundesbehörden und ermöglicht illegalen Einwanderern den Zugang zum Bildungssystem des Bundesstaates.

Bundesstaat mit den meisten illegalen Einwanderern

Nimmt man Trumps Versprechen aus dem Wahlkampf als Maßstab, dann liegt der bevölkerungsreichste Bundesstaat mit mehreren politischen Plänen des Weißen Hauses über Kreuz. Für Kalifornien, für sich genommen die sechstgrößte Wirtschaft der Welt, steht dabei viel auf dem Spiel. Darum kommen der Protest und Widerstand, der sich hier rührt, nicht überraschend. Es geht wie so oft in den USA um Millionen – Einwanderer und Dollar.

Von den vier US-Staaten, die an Mexiko grenzen, ist Texas der mit dem größten Teilstück, Kalifornien mit dem kleinsten. Insgesamt hat Kalifornien jedoch die meisten illegalen Einwanderer: Das unabhängige Pew Research Center schätzt die Zahl auf rund 2,4 Millionen. Das entspricht etwa sechs Prozent von Kaliforniens Gesamtbevölkerung, die ohnehin zu 40 Prozent aus Latinos besteht.

Sollte Donald Trump das Fallbeil seiner Wahlversprechen ähnlich schwungvoll auf illegale Einwanderer niedergehen lassen wie beim jüngst unterzeichneten Einreiseverbot, könnte Kalifornien ein großer Teil seiner Arbeitskräfte wegbrechen – Trumps Zauberwort im Wahlkampf: mass deportation.

Kurz erklärt - Was ist ein Dekret in den USA? Donald Trump hat schon einige Dekrete in seiner Amtszeit unterschrieben. Doch was ist ein Dekret genau und was kann es bewirken?

Bereits Anfang Dezember, kurz nach Trumps Wahlsieg, brachte der kalifornische Senat eine Reihe von Gesetzen zum Schutze seiner Immigranten ein. Neben einem Programm, das finanzielle Unterstützung für juristische Beihilfe bei Rückführungsverfahren leistet, verpflichtete sich der Staat, bei den von Trump geplanten "Massenabschiebungen" nicht mitzumachen.

Kalifornien, wo Hillary Clinton bei der Wahl im November über vier Millionen mehr Wählerstimmen als Donald Trump einsammelte, gerierte sich also schon frühzeitig als politischer Stachel im Fleisch von Donald Trumps Präsidentschaft.