Ein weiterer Trick, der besonders in Großstädten funktioniert, sind befristete Wohnangebote. Auch für sie gilt Mietpreisbremse nicht. Oft sind es angeblich luxuriös möblierte Appartements. Für die gilt dann  ähnlich wie bei teilgewerblich vermieteten Wohnungen: Ein Möblierungszuschlag wird fällig, der zwar nicht sittenwidrig hoch sein darf, aber doch von der ortsüblichen Vergleichsmiete entkoppelt ist. Auch er ist meist versteckt im Betrag der Gesamtmiete. Wie die sich zusammensetzt, erfährt auch hier nur, wer den Vermieter drängt, das offenzulegen.

Mit welcher Selbstverständlichkeit die Vermieter vorgehen und offensichtlich nach wie vor zahlende Mieter finden, wird deutlich, wenn man sich beispielsweise in München auf der Webseite des Appartement-Anbieters Mr. Lodge umsieht. Schnell stellt man fest: 30 bis 40 Euro pro möbliertem Quadratmeter sind nicht Luxus, sondern Standard. Auch in Berlin boomen möblierte Appartment-Häuser. Hier ließ jüngst das Unternehmen Sanus an die Außenfassade seines frisch sanierten Appartment-Hauses im Bezirk Mitte den Satz "Wir schaffen das" schreiben – angeblich vom Satz der Kanzlerin zur Flüchtlingssituation von 2015 inspiriert. Sanus wirbt mit 30 Euro pro Quadratmeter tatsächlich um Migranten. Wie ein Firmensprecher der taz jüngst mitteilte, sei das Angebot attraktiv für Menschen aus London, die wegen des Brexit die britische Hauptstadt verlassen wollten.

In Hamburg traut sich der Sprecher des dortigen Mietervereins kaum zu sagen, wie bestimmte Vermieter dort vorgehen, um die sich nicht an die Mietpreisbremse halten zu müssen. Siegmund Chychla befürchtet, andere Vermieter könnten sich ein Beispiel nehmen und das nachahmen. Zwar seien es Einzelfälle, sagt Chychla, aber in der Stadt gebe es bestimmte Wohnungsanbieter, die immer wieder versuchten, Studenten Gewerbewohnungen anzudrehen. Für ausschließliche Gewerbemietverträge gilt die Mietpreisbremse nicht. "Sie versuchen es mit teils abenteuerliche Begründungen", sagt Chychla. Es werde beispielsweise gefragt, ob die Studenten ein Instrument spielen, um dann die Wohnung als Musikstudio oder Proberaum in eine Gewerbefläche zu verwandeln.

Dreistigkeit siegt

So trickreich manche Vermieter beim Umgehen der Mietpreisbremse vorgehen, am einfachsten scheint es, sie schlicht zu ignorieren. Der Deutsche Mieterbund teilte bereist im September 2016 nach einer Untersuchung mit, dass zwischen 66,5 Prozent und 94,8 Prozent aller Angebote beziehungsweise Wiedervermietungsmieten in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt über der Obergrenze der Mietpreisbremse lagen. Hauptgrund sei, dass Mieter nur in wenigen Fällen ihre Vermieter nach der Vormiete fragten, um zu kontrollieren, ob sie die gesetzlichen zehn Prozent über der Vergleichsmiete nicht übersteigt. Sie scheuten die Auseinandersetzung mit dem Vermieter.

Würden Mieter schon vor Vetragsabschluss sehen, wie sich ihre Miete zusammensetzt, könnte das Problem gemindert werden, sagt der Mieterbund. Egal ob Möblierungsaufschlag, Gewerbezuschlag oder die Miete des Vorgängers – alles könnte dann ohne Hürden eingesehen und verglichen werden. Der Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz Heiko Maas sagt: "Wir sind jederzeit bereit, ins Gesetz zu schreiben, was die Union bislang immer blockiert hat: nämlich eine Pflicht des Vermieters, von sich aus automatisch die Vor-Miete offenzulegen."