Sitzen ein in Südafrika geborener Unternehmer und der US-Präsident zusammen. Beide wollen die Welt verbessern. Der eine setzt auf alternative Energie, der andere beschwört die fossilen Brennstoffe. Das klingt wie ein abgedroschener Witz. Dennoch scheinen Elon Musk,Visionär aus dem Silicon Valley, der mit Elektroautos und Solarenergie den Klimawandel bekämpfen will, und Donald Trump, der den Klimawandel zur chinesischen Propaganda erklärte, bestens miteinander auszukommen.

Als eine der ersten Amtshandlungen bestellte Trump gleich nach seiner Vereidigung die Bosse großer Konzerne in das Weiße Haus. Vor der Wahl hatte Musk noch erklärt, Trump sei für den Präsidentenjob ungeeignet. Nun saß er neben ihm. Hinterher erklärte der Tesla-Gründer, er wolle als die Stimme der Vernunft auf den Präsidenten einwirken. 

Mehrmals haben sich die beiden inzwischen zu Gesprächen getroffen, im Januar hat Musk auch mit Trumps einflussreichem Schwiegersohn und Berater Jared Kushner und seinem Chef-Strategen Steve Bannon gesprochen. Musk ist Mitglied eines Gremiums, das Trump in Sachen Technologie beraten soll. "Musk hat das Ohr des Präsidenten", schrieb die New York Times.

Doch seit Trump ein Einreiseverbot für Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern verhängt hat, schlägt der Tesla-Chef wieder kritischere Töne an. Das sei nicht der richtige Weg, um Probleme in diesem Bereich zu lösen, verkündete der Unternehmer auf Twitter, dem Lieblingskommunikationsweg Trumps. Gemeinsam mit den Chefs von knapp 130 anderen Unternehmen hat er eine Stellungnahme unterschrieben, die den Beschluss harsch kritisiert.

Mit seinem Schlingerkurs gegenüber dem Präsidenten ist Musk nicht allein. Vor der Wahl hatten Wirtschaftsvertreter noch vor Trump gewarnt. Einige sagten düster einen Einbruch an den Finanzmärkten voraus. Alles vergessen. Wer erwartet hatte, dass die Unternehmenschefs nach seinem Wahlsieg auf Abstand zu Trump gehen würden, sah sich enttäuscht. Nicht nur, dass sich die Konzernchefs, kaum war Trump im November gewählt, im Trump-Tower die Klinke in die Hand gaben, um dem künftigen Präsidenten ihre Aufwartung zu machen. Keiner mochte offen den Bau einer Mauer nach Mexiko kritisieren. Nicht einmal die Androhung einer "Grenzsteuer", die Importe verteuern und Arbeitsplätze in den USA retten soll, brachte sie gegen den Protektionisten auf, der ihre eigenen Geschäftigen schädigen kann.

Im Gegenteil: Selten hat die Börse so freundlich auf einen Machtwechsel im Weißen Haus reagiert. Am Donnerstag erreichte der Dow Jones, der Aktienindex der US-Schwergewichte, einen neuen Rekordstand. Trump hatte bei einem Treffen mit Vertretern der Luftfahrtindustrie beiläufig geäußert, dass er demnächst einen "phänomenalen Steuerplan" vorlegen werde. Das genügte. Die Investoren an der Wall Street schlossen daraus, dass es demnächst Steuersenkungen geben wird und trieben die Kurse nach oben. Selbst Walt-Disney-Boss Bob Iger, seit Jahrzehnten ein bekannter Wahlkampfspender für die Demokraten, lobte die Idee.