Den entscheidenden Widerspruch kann auch Angela Merkel nicht klären. Wenn – wie die Kanzlerin selbst am Mittwoch vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags sagt – Bundesverkehrsministerium und Kraftfahrt-Bundesamt all die Jahre gut gearbeitet haben, wie konnte dann Volkswagen jahrelang beim Abgas seiner Dieselautos tricksen, ohne dass es jemals auffiel? Warum flogen die Manipulationen letztlich im September 2015 in den USA auf, nicht hierzulande? Merkels schlichte Antwort: "Motivforschung ist jetzt nicht meine Hauptaufgabe."

Aber eben die des Parlamentsausschusses, der als letzte Zeugin die Regierungschefin als ranghöchste Vertreterin geladen hat. Schließlich wurde der Ausschuss im Juli 2016 auf Drängen der Opposition ins Leben gerufen, um zu klären, wann die Regierung und ihre Behörden vom Abgasbetrug wussten und wie sie seit Jahren die Abgasvorgaben bei den Herstellern überwachen.

Das Gremium kommt in der gut zweistündigen Befragung jedoch kaum weiter. Zwar beweist Merkel, dass ihr das Abgasthema durchaus vertraut ist – schließlich war die studierte Physikerin in den neunziger Jahren Bundesumweltministerin, und auch heute hat sie damit im Kabinett oder im Europäischen Rat immer wieder zu tun. Doch auch die Kanzlerin will von Abschalteinrichtungen, die nur im Testbetrieb von Autos den Ausstoß von schädlichem Stickoxid senken, erst erfahren haben, als VW aufflog und die Medien über diese verbotene Technik berichteten.

Bloß den Diesel nicht verteufeln

Zwei Sachen aber sind Merkel im Ausschuss wichtig zu betonen. Zum einen wurde jahrelang der Dieselantrieb als klimafreundlich beworben, auch von der Regierung selbst. Weil lange der Fokus auf dem klimaschädlichen CO2 lag – von dem ein Dieselmotor im Vergleich weniger ausstößt als ein Benziner – und man das Problem der Stickoxide weniger stark beachtete als nun, seit Auffliegen von VW. An der Wichtigkeit des Diesels für den Klimaschutz halte sie auch weiterhin fest, sagt Merkel. Der Tenor: Nur wegen des VW-Skandals dürfe man nicht den Dieselantrieb insgesamt verteufeln. Ambitioniert dürften die Vorgaben für die Autoindustrie in Bezug auf die Abgase durchaus sein, "aber nicht bis zum Gehtnichtmehr". Technisch machbar müssten die Regelungen schon sein.

Das Zweite: Merkel sieht keinen Anlass für Änderungen in der Behördenstruktur. Den Vorwurf eines Staats- oder Regierungsversagens weist Merkel entschieden zurück. Sie bestreitet, dass der Staat bei der Autoindustrie weggeschaut habe: "Nicht wir hatten einen Skandal, sondern VW."

Und weil die Regierungschefin eben zu den Strukturen steht, sah sie auch keinen Grund, nach dem Auffliegen des VW-Skandals die Aufklärung zur Chefsache zu machen. "Ehrlich gesagt habe ich es gut gefunden, dass der Minister Dobrindt sich verantwortlich gefühlt hat", sagt Merkel. Nach dem öffentlichen Bekanntwerden der VW-Manipulationen am 19. September 2015 habe sie den Verkehrsminister zur Aufklärung ermuntert. An dessen Vorgehen habe sie "nichts zu beanstanden", sie fühle sich von Dobrindt auch gut informiert.