Der Brexit könnte für viele britische Banken zum großen Problem werden: Die Europäische Zentralbank hat bekräftigt, dass sie Banklizenzen in einem Euro-Land nur dann erteilen will, wenn tatsächlich auch ein Teil der Geschäfte in die EU verlagert wird. Sabine Lautenschläger, EZB-Direktorin und stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht, warnte britische Banken davor, zu tricksen. "Ich sehe nicht, dass die EZB Banklizenzen an leere Unternehmenshüllen vergibt", so Lautenschläger bei einem Vortrag in London. Auch Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hatte unlängst betont, es würden keine Briefkastenfirmen akzeptiert, bei denen das Bankgeschäft effektiv weiterhin aus London heraus betrieben würde.

Aktuell gibt es gemäß Lautenschläger rund 40 Bankhäuser in Großbritannien, die im EU-Markt tätig sind. Wenn diese nach dem Brexit weiter Geschäfte in der Europäischen Union betreiben wollen, brauchen sie eine EU-Bankenlizenz. Großbanken wie HSBC und UBS haben bereits angekündigt, womöglich Tausende Stellen von London in EU-Länder zu verlegen.

Das Ziel der EZB sei es, das EU-Bankensystem sicher und stabil zu machen, so Sabine Lautenschläger. "Ich erwarte daher, dass Banken, die eine Lizenz in der Euro-Zone erhalten wollen, unsere Standards erfüllen", sagte sie. In der Bankenaufsicht werde es keinen Wettlauf nach unten geben. Lautenschläger forderte die Banken auf, sich frühzeitig um eine Lizenz zu bemühen.

Die britische Premierministerin Theresa May strebt einen harten Schnitt mit dem Kontinent an und will Großbritannien aus dem Binnenmarkt und der Zollunion herausführen. Stattdessen soll ein Freihandelsabkommen mit der EU vereinbart werden. Damit würde Großbritannien aber für die EU zu einem Drittland. In London sitzende Banken könnten dann nicht mehr Großbritannien als Eingangstor für Geschäfte in der ganzen EU nutzen. Dazu ist eine Banklizenz innerhalb eines EU-Landes nötig. Das ist die Grundlage des sogenannten EU-Passes für Banken.