Bringt Donald Trump den USA ein neues Wirtschaftswunder? Vieles spricht im Moment dafür: Die Aktienkurse erklimmen seit seiner Wahl immer wieder neue Höchststände. Zahlreiche Firmen wie Ford, General Motors und Walmart haben angekündigt, in den USA zu investieren und Arbeitsstellen zu schaffen. Donald Trump, kein Kind der Bescheidenheit und leiser Töne, brüstet sich mit diesen Meldungen. In Reden und über Twitter verkündet er, endlich bringe jemand wieder Wachstum, Optimismus und Jobs nach Amerika. Hat er recht?

Es gibt dafür – neben den Börsenkursen und den Job-Ankündigungen der Unternehmen – noch weitere Anzeichen. Zum Beispiel sind die Renditen auf US-Staatsanleihen gestiegen. Am Wahltag, dem 8. November 2016, wurden zehnjährige Obligationen noch mit 1,85 Prozent verzinst, heute verlangen die Anleger 2,55 Prozent, was darauf hindeutet, dass sie mit einer besseren Konjunktur rechnen. Und nicht nur die Investoren scheinen guter Dinge. Auch die Konsumenten waren seit 2001 nicht mehr so optimistisch wie heute, und die Stimmung unter Kleinunternehmern ist so gut wie seit zwölf Jahren nicht.

Doch Vorsicht: Die Umfrageergebnisse messen zwar die gegenwärtige Stimmung – und der Präsident rückt sich mit ihrer Hilfe gekonnt ins rechte Licht – , aber darüber, wie die Lage tatsächlich ist, sagen sie gar nichts aus. Und Indikatoren, die das messen, zeichnen eher ein nüchternes Bild. Zum Beispiel die jüngsten Zahlen des Bureau of Economic Analysis: Ihnen zufolge sanken die Ausgaben der Konsumenten im Monat Januar inflationsbereinigt leicht – aber ausgerechnet sie sind für die binnenorientierte Wirtschaft der USA besonders wichtig. Auch Zahlen zu den Autoverkäufen sowie Investitionen im Bausektor bilden den allgemeinen Enthusiasmus noch nicht ab.

Amtseinführung - "I Donald John Trump do solemny swear" Donald Trump hat seinen Amtseid abgelegt. In seiner Vereidigungsrede kündigte er an, Straßen und Autobahnen zu bauen. Ausschnitte © Foto: Kevin Lamarque/Reuters

Im Moment wird Trump für seine Versprechen belohnt

Der neue US-Präsident sagt, zahlreiche Firmen hätten sich dank seiner Politik dazu entschlossen, wieder in den USA zu investieren und Zehntausende von Jobs zu schaffen. Auf den ersten Blick scheint das auch zu stimmen: Diesen Montag kündigte etwa der Energiekonzern ExxonMobil an, die Produktion in Texas und Louisiana ausweiten zu wollen. Trump triumphierte auf Twitter. Er dankte dem Unternehmen für die Investitionen über 20 Milliarden Dollar und dafür, dass man über 45.000 Arbeitsstellen schaffen wolle. 

Doch schon bald berichteten Medien, der Großteil der angekündigten Investitionen sei bereits 2013 auf den Weg gebracht worden. Immerhin: Trumps Politik scheint den Ölkonzern nicht von seinen Investitionen abzubringen. Glaubt man Sean Spicer, dem Pressesprecher des Weißen Hauses, hat ExxonMobil zudem erklärt, man wolle in den USA nun mehr investieren, da man Trumps Kampf für tiefere Steuern und gegen Regulierungen goutiere.

Derweil kündigte der Autobauer General Motors am Montag an, in Michigan 1.100 Arbeiter entlassen zu müssen – und Trumps Twitter schwieg dazu. Der neue Präsident weiß genau, welche Nachrichten er kommentieren, wie er die Daten interpretieren muss, damit er gut dasteht. Das ist ein wichtiger Teil seiner Kommunikationsstrategie in Wirtschaftsfragen.

Trump weiß auch, welch hohe Erwartungen die Wirtschaft und die Börse an ihn stellen. Sie wollen, dass er seinen Worten Taten folgen lässt und die versprochenen Steuersenkungen, Infrastrukturprojekte und Deregulierungsprogramme umsetzt. Die hohen Börsenkurse und guten Stimmungswerte sind so etwas wie Vorschusslorbeeren für ihn. Anders lassen sie sich nach noch nicht einmal zwei Monaten Amtszeit nicht erklären.