Anrufe beim Kundendienst in Vertragsfragen dürfen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) keine Extrakosten mit sich bringen. Die Richter begründeten die Entscheidung damit, dass zu hohe Telefongebühren bei 0180-Servicenummern Verbraucher davon abhalten könnten, sich wegen ihres bestehenden Vertrags an ein Unternehmen zu wenden. Das EU-Recht sei entsprechend verbraucherfreundlich auszulegen.

Die Kosten dürfen demnach nicht höher sein als bei Telefonaten unter gewöhnlichen Festnetz- oder Mobilfunknummern. Solange die Unternehmen diese Regel einhielten, sei allerdings unerheblich, ob sie mit der Servicerufnummer Gewinne erzielen oder nicht.

Der EuGH gab damit der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs recht. Sie hatte im Ausgangsverfahren vor dem Landgericht Stuttgart gegen den Elektrohändler Comtech geklagt. Das Unternehmen hatte seinen Kunden eine kostenpflichtige Service-Hotline mit einer 01805-Vorwahl angeboten. Anrufer hätten 14 Cent pro Minute aus dem Festnetz und bis zu 42 Cent die Minute vom Handy aus bezahlen müssen, heißt es von der Wettbewerbszentrale, einer Institution der Wirtschaft zur Selbstkontrolle. Die Hotline stelle eine "unlautere geschäftliche Handlung" dar, warf die Zentrale dem Unternehmen vor Gericht vor.

Comtech sagte hingegen, es habe durch die Hotline keinen Gewinn erwirtschaftet. Daher sei sie nach deutschem Recht legal gewesen. Mittlerweile können Kunden Comtech über eine reguläre Festnetznummer anrufen.

Wenn eine Firma eine sogenannte Service-Dienste-Rufnummer schalten will, muss sie die Nummer bei Telekommunikationsanbietern beantragen. Die Firma kann sich dann einen Teil des Gewinns abzweigen und dadurch Extraeinnahmen machen. Das ist aber laut Bundesnetzagentur nicht erlaubt, wenn die Rufnummer dafür verwendet wird, dass Verbraucher den Unternehmer "wegen Fragen oder Erklärungen zu einem zwischen ihnen geschlossenen Vertrag" anrufen.

Tausende Unternehmen bieten 0180-Hotlines an

Eine EU-Richtlinie von 2011 legt fest, dass Telefonate in diesen Fällen – also wenn etwa ein Kunde wegen eines Produktkaufs anruft – nicht teurer sein dürfen als der "Grundtarif". Wie genau der Begriff Grundtarif definiert ist, war dem Landgericht Stuttgart aber unklar. Deshalb wurde der EuGH um Aufklärung gebeten.

In Deutschland gibt es nach Angaben der Bundesnetzagentur fast 300.000 Service-Dienste-Rufnummern. Die Abrechnung variiert je nach Endziffer: Bei einer 01803-Nummer beispielsweise muss der Anrufer aus dem Festnetz 9 Cent pro Minute zahlen, bei einer 01804-Nummer 20 Cent pro Anruf.