Als Inhaber einer Ölbohrfirma habe er Sensoren genutzt, um nach Öl zu suchen, schreibt Spencer ZEIT ONLINE. "Da kam mir die Idee, mit der gleichen Technik alle Migranten zu zählen, die zwischen den legalen Grenzübergängen in die USA kommen." Mittlerweile habe er sogar eine Technik zur Gesichtserkennung entwickelt, die bisher vom Kongress blockiert werde. Unter der Trump-Regierung sieht er seine Chance gekommen: Er will die Überwachungsaktivitäten seiner Bürgerwehr zum Staatsprojekt machen; seine eigens dafür gegründete Firma Border Technology bewirbt sich gerade auf die Ausschreibung. "Wir schlagen vor, ein Grenzüberwachungssystem zu errichten, das noch viel effektiver ist als eine Mauer", schreibt Spencer. "Ich bin mir sicher, dass der Kongress dem Grenzschutz erlauben wird, die Gesichtserkennung einzusetzen, um uns gegen Eindringlinge zu schützen."

Klippen, Flüsse und andere Hindernisse

Auf 650 der 2.000 Meilen zwischen San Diego und Brownsville steht bereits ein Grenzzaun, der jedoch eher symbolische Bedeutung hat: Viele Migranten überklettern ihn mühelos. Entgegen Trumps Ankündigung wird sich seine Mauer nicht fundamental von diesem Zaun unterscheiden – sie wird weder in einem Stück gebaut noch unüberwindbar bleiben.

"Es gibt viele Orte, an denen wir sofort eine Barriere brauchen, und andere, die mehr Zeit haben", sagte Heimatschutzsekretär Kelly im Februar. "Die eine, durchgehende Lösung wird es nicht geben." In der Ausschreibung fragt das Ministerium dementsprechend ein Patchwork aus Mauerstücken an, an dem voraussichtlich verschiedene Firmen arbeiten werden. Sie sollen zwischen 5,40 und 9,10 Meter Höhe variieren und abschnittsweise aus Zement oder anderen Materialien bestehen. Die US-Seite soll außerdem "ästhetisch ansprechend" sein, die mexikanische Seite nicht unbedingt. Laut der Ausschreibung sollen die Firmen Konzeptvorschläge machen und schließlich bis zu 20 Prototypen bei San Diego aufbauen. Kostenpunkt pro Testmauer: 200.000 bis 500.000 Dollar, Abrisskosten inklusive.

Damit reagiert das Ministerium zum einen auf die Tatsache, dass die Grenze durch die unterschiedlichsten Naturräume führt: durch Großstädte, die Sonora-Wüste, ein Indianerreservat, einen Nationalpark, Gebirgsmassive und auf mehr als tausend Meilen entlang des Rio Grande. Darüber hinaus fehlt schlichtweg das Geld, um den Mauerbau in einem Stück anzugehen. "Die finanzielle Unsicherheit ist das größte Risiko für die Firmen", sagt Plitsch. Donald Trump hat in seinem Haushaltsplan bis Ende 2018 nur 4,1 Milliarden der veranschlagten 21,6 Milliarden Dollar vorgesehen – und Mexiko hat nicht vor, für die Mauer zu zahlen. "Es dürfte schwer werden, den Kongress zu überzeugen, die volle Summe zur Verfügung zu stellen", vermutet Plitsch.

"Legt die Mauer einfach hin!"

Ein Mann von der Interessentenliste hat eine Lösung, die das Finanzierungsproblem auf einen Schlag lösen würde: "Legt die Mauer doch einfach hin", schlägt Visualisierungskünstler Detlef Lemme aus Hamburg vor. "Wenn wir miteinander klarkommen wollen, müssen wir dem anderen einen Vertrauensvorschuss geben." Er fertigte im Rahmen der Ausschreibung die Aquarellreihe The Laying Wall of Trust an, in der sich ein roter Metallstreifen durch eine Wüstenlandschaft zieht. "Aus dem alten Grenzzaun könnte man einen Radweg machen, auf dem sich Mexikaner und US-Amerikaner treffen können. Ich weiß, das ist anarchisch und utopisch – aber als Künstler darf ich das ja!"

Der 58-Jährige las in einem Zeitungsartikel von der Ausschreibung der US-Regierung. "Da habe ich mich einfach mal registriert." Was dann passierte, überraschte ihn: "Ich wurde auf die Liste mit all den Konzernen übernommen, erhielt Rundmails des Ministeriums und Anfragen von Zementherstellern, Rechtsanwälten und Cateringunternehmen, die für mich arbeiten wollten."

Während der Wende lebte Lemme in Westberlin. "Meine Freunde in Ostberlin zu besuchen war wie den Kontinent zu wechseln. Als die Mauer fiel, dachten wir, es werde nie wieder Grenzen geben. Die USA schienen der Garant für Freiheit zu sein. Dass ausgerechnet dieses Land sich jetzt selbst einmauert wie damals die Sowjetunion, finde ich absurd." Was er den US-Behörden mit seiner liegenden Mauer des Vertrauens sagen will: "Ihr wart mal selbstbewusster und weniger ängstlich. Wenn ihr euch in einen Panikraum zurückziehen wollt, nur zu! Aber bitte verwandelt nicht die gesamte USA in einen Panikraum!"