Der deutsche Autohersteller Opel wechselt den Besitzer und wird Teil des französischen Autokonzerns PSA mit seinen Marken Peugeot, Citroën und DS. PSA will mit dem Kauf zu einem "europäischen Auto-Champion" und zur Nummer zwei hinter Volkswagen aufsteigen. Für Opel bedeutet der Verkauf einen Neuanfang: Seit 1929 gehörte der Autobauer zum amerikanischen Konzern General Motors (GM). "Heute ist ein historischer Tag für Opel und Vauxhall", sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann.

Der Kaufpreis für die Marken Opel und Vauxhall, die zur GM-Europasparte gehören, liegt bei 1,3 Milliarden Euro, teilten die Unternehmen mit. Betroffen sind rund 40.000 Angestellte in zwölf Fabriken in sieben europäischen Ländern. Außerdem kauft PSA zusammen mit der Großbank BNP Paribas noch das europäische Finanzierungsgeschäft GM Financial. So sollen Kunden gemeinsame Finanzierungsmodelle für ihre Autos angeboten werden. Dafür erhält GM weitere 900 Millionen Euro, sodass der Deal ein Gesamtvolumen von 2,2 Milliarden Euro hat.

Opel in Deutschland

An den deutschen Opel-Standorten sind zur Zeit rund 19.000 Menschen beschäftigt.

Sollten die Kartellbehörden zustimmen, entstünde der nach Volkswagen zweitgrößte europäische Autokonzern mit einem Marktanteil von 17 Prozent. Die Produktion könnte bei fünf Millionen Autos pro Jahr liegen: PSA verkaufte im vergangenen Jahr mehr als 3,1 Millionen Fahrzeuge, bei Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall waren es rund 1,2 Millionen.

Das Übernahmegeschäft soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Während PSA vor allem als Massenhersteller kleiner und mittelgroßer Autos in Europa stark ist, sind beim VW-Konzern auch Überseemärkte wie China und die USA für die Luxusmodelle von Audi oder Porsche wichtig.

Angst um Jobs in Deutschland

Viele, vor allem deutsche Sorgen drehen sich um die Arbeitsplätze bei Opel. In Deutschland hat der Autobauer rund 18.250 Mitarbeiter, die noch bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt sind. Zudem hat sich der Nochmutterkonzern General Motors bis ins Jahr 2020 tarifvertraglich zu Investitionen und Produktion in den drei deutschen Opel-Werken Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach verpflichtet. 

Der Geschäftsführer von PSA, Carlos Tavares, versicherte, die Arbeitsplätze bei Opel und Vauxhall erhalten zu wollen. "Wir schätzen die Leistungen der hochqualifizierten Mitarbeiter von Opel/Vauxhall, die starken Marken des Unternehmens und ihre lange Tradition." Man wolle auf den Markenidentitäten von PSA und Opel/Vauxhall aufbauen und die Unternehmen in diesem Sinne führen. Er gab aber kein Versprechen, alle Fabriken zu erhalten. "Das Einzige, was uns beschützt, ist Leistung", sagte Tavares.

Nach der Übernahme von Opel will PSA insgesamt 1,7 Milliarden Euro jährlich einsparen. "Wir glauben, dass wird mit diesem Deal die Effizienz auf ein höheres Level bringen können", sagte Tavares. Der PSA-Chef hofft auf Kosteneinsparungen durch eine bessere Ausnutzung der Fabriken und die Zusammenführung der Fahrzeugplattformen. Der PSA-Chef wiederholte, Opel müsse seine Sanierung weitgehend selbst gestalten.

Der Opel-Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall machen ihre Zustimmung zum Verkauf der GM-Tochter an Peugeot von einem Zukunftsplan abhängig. Ein Schlüssel zum Erfolg in der Zukunft könnte die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugplattformen sein. "Die Opel-Beschäftigten an den einzelnen Standorten erwarten langfristige Sicherheit für ihre Arbeitsplätze und die Standorte", sagte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sowie die Regierungschefs von Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen – Malu Dreyer (SPD), Volker Bouffier (CDU) und Bodo Ramelow (Linke) – verlangen Transparenz und Mitsprache der Arbeitnehmervertreter. Sie nannten den Verkauf einen ersten Schritt, "um in Europa einen europäischen Global Player durch den Zusammenschluss von Opel/Vauxhall und PSA auf den Weg zu bringen".

Ambitionierte Sanierungspläne

Opel schreibt seit Jahren Verluste, PSA dagegen konnte sich in den vergangenen Jahren erfolgreich mithilfe chinesischer Investoren und des französischen Staats sanieren. Bis 2020 sollen Opel und Vauxhall den Plänen zufolge wieder profitabel sein, Fachleute haben aber Zweifel, ob für PSA mittelfristig die fast 20 europäischen Fabriken rentabel sind, die der Konzern künftig zusammen mit Opel und Vauxhall hat. Die Übernahme auszuführen könnte auch Kräfte binden, die dann bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien fehlen – etwa selbstfahrende Autos oder Elektroantriebe.

GM-Chefin Mary Barra sagte, für ihr Unternehmen sei das Geschäft ein weiterer großer Schritt, um die Wirtschaftsleistung und die Geschäftsdynamik von GM zu erhöhen. Das Europageschäft von GM ist seit Jahren defizitär und hat dem US-Konzern seit 2000 Verluste von 15 Milliarden Dollar eingebracht. Der Verkauf passt zur derzeitigen Unternehmensstrategie, statt auf Marktanteile auf größere Gewinnspannen zu setzen. Ob GM den europäischen Markt komplett verlassen will, ist noch nicht klar. Weiterhin könnten Modelle der Marken Chevrolet und Cadillac verkauft werden.

PSA und GM haben bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet, unter anderem bei der GM-Marke Buick und bei der Entwicklung von Technologie für Elektrofahrzeuge. Dies soll fortgesetzt werden und dürfte Entwicklungskosten senken. Beide Unternehmen rechnen mit Einsparungen von 1,7 Milliarden Euro bis 2026.