Die Zinsen sind auf Rekordtief, der Staat schlägt auf Steuernachforderungen aber Verzugszinsen in unveränderter Höhe auf. Im vergangenen Jahr nahmen die Finanzämter nach Angaben des Finanzministeriums etwa 670 Millionen Euro Zinsen ein. Schon in den Jahren 2014 und 2015 waren es 1,92 Milliarden Euro gewesen. Der Zinssatz beträgt 0,5 Prozent pro Monat.

Die Summen sind der Saldo aus Erstattungs- und Nachzahlungszinsen. Denn sowohl für Steuernachforderungen als auch für Erstattungen des Finanzamtes fallen Zinsen an. Der Zinssatz ist seit mehr als 50 Jahren unverändert und wird gerade in der Niedrigzinsphase als zu hoch kritisiert. Nach Darstellung des Bundesfinanzministeriums ist er verfassungskonform, er habe sich in der Praxis bewährt, heißt es. Der Zinssatz von 0,5 Prozent könne "nicht mit dem wie auch immer verstandenen 'Marktzins' verglichen werden". Es bestünden Unterschiede zwischen dem Marktzins und der Verzinsung nach der Abgabenordnung. 

Zu den Einnahmen zählten im vergangen Jahr 228,25 Millionen Euro Zinsen aus der Einkommen- und Lohnsteuer. Hinzu kamen Zinseinnahmen aus der Körperschaftsteuer von etwa 312 Millionen Euro und der Umsatzsteuer von 131 Millionen Euro. Bei der Vermögensteuer gab es mehr Erstattungen als Nachforderungen, daher entstand ein Minus von 0,115 Millionen Euro Zinsen.

Vom Finanzamt erhaltene Zinsen sind steuerpflichtig, gezahlte Zinsen dagegen können nicht abgesetzt werden. Wegen dieser Ungleichbehandlung ist nach Darstellung des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine auch eine Verfassungsbeschwerde anhängig (Az. 2 BvR 1711/15).