Zwei Hände schießen in die Höhe, eine hebt sich eher zögerlich. Wer auf dieser Bühne eine Feministin ist, fragt die Moderatorin in die Runde und bittet um ein Handzeichen. Acht Frauen aus internationalen Toppositionen in Politik und Wirtschaft sitzen hier zusammen im Berliner Hotel Intercontinental, und viele Augen im Saal richten sich nach der Umfrage auf eine von ihnen: Ivanka Trump, die Tochter von US-Präsident Donald Trump.

Die First Daughter und Beraterin des Präsidenten, wie sie offiziell genannt wird, hebt erst langsam ihren Arm, streckt ihn dann aber kerzengerade in die Höhe. Neben ihr zeigen IWF-Direktorin Christine Lagarde und Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland deutlich mehr Entschlossenheit. Die Hand von Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen hebt sich nicht. Sie begründet ihr ausbleibendes Bekenntnis mit einer Merkel-typischen Denkumleitung: In der Geschichte des Feminismus gebe es viele Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede zu ihrer Person. "Deshalb will ich mich nicht mit fremden Federn schmücken", sagt die Kanzlerin.

Es ist eine bemerkenswerte Konstellation auf der Bühne, die anlässlich des deutschen G20-Vorsitzes dieses Jahr zu einem Frauengipfel zusammengekommen ist. Wie können Frauen in der Wirtschaft gestärkt werden? Darüber wollen sich die Teilnehmerinnen austauschen. Doch die Moderatorin Miriam Meckel, Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, möchte erst einmal wissen, was die Präsidententochter Trump eigentlich dazu befähigt, die US-Regierung in Sachen Frauenrechten zu repräsentieren. "Ich höre zu und ich lerne", sagt Trump, die allein durch ihre hohe und schmale Statur auf dem Podium neben den anderen Frauen hervorsticht. Das Wissen, sagt sie dann, das sie zum Beispiel in Deutschland aufnehme, wolle sie in die USA zu ihrem Vater bringen, um es für die amerikanische Politik zu nutzen.

Absolute Loyalität in der Familie

Viel war vor diesem ersten offiziellen Besuch von Ivanka Trump in Deutschland darüber gerätselt worden, in welcher Funktion die Tochter des Präsidenten anreist. Formell trägt sie den Titel einer Beraterin im Weißen Haus, sie wird jedoch nicht von der Regierung bezahlt. Schließlich profitieren sie und ihr Ehemann Jared Kushner, der nun ebenfalls für den Präsidenten arbeitet, finanziell vor allem von Immobilienbesitz, den die New York Times kürzlich auf einen Wert von 740 Millionen US-Dollar beziffert hat. Wofür Ivanka Trump jedoch politisch steht, war bisher wenig bekannt, zumal sie vor dem Wahlkampf ihres Vaters kaum als Akteurin in Erscheinung getreten war. Nun aber kommt ihr offenbar eine wichtige Rolle als Vermittlerin im Weißen Haus zu.

Das dürfte auch Angela Merkel aufgefallen sein – spätestens als sie bei ihrem jüngsten Besuch in Washington neben der 35-Jährigen zum Essen platziert wurde. In Regierungskreisen heißt es jetzt: Will man etwas bei dem Vater erreichen, sollte man den Weg über die Tochter wählen. Auch in Berlin hebt Ivanka Trump auf ihre sehr enge Beziehung zum Vater ab, als die Moderatorin Meckel sie nach der Kritik fragt, die Donald Trump wegen frauenfeindlicher Äußerungen entgegenschlägt. "Er hat mich immer sehr ermutigt", sagt sie. Außerdem habe der Vater nie einen Unterschied zwischen ihr und ihren Brüdern gemacht. Die Familie ist für Donald Trump offensichtlich eine der stärksten Verbündeten und Ivanka Trump spielt in diesem Bund, der auf absoluter Loyalität beruht, eine herausragende Rolle.

Nun also sucht sich die Tochter ihre eigenen politischen Projekte, doch auch ihr begegnen Häme und Kritik. Sie wolle erreichen, dass es erstmals in den USA einen bezahlten Mutterschutz von sechs Wochen gibt, sagt Trump in Berlin auf der Bühne. Außerdem berichten US-Medien, dass daran gearbeitet werde, die Kosten für die Kinderbetreuung in den USA voll steuerlich abzusetzen. Das freilich würde wieder gerade wohlhabende Amerikaner bevorteilen – die armen können sich ohnehin nicht die teure Betreuung leisten.