Ungeachtet des Ausstiegs der USA aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TPP wollen mehrere Pazifik-Anrainerstaaten den Pakt am Leben erhalten. Das vereinbarten die Handelsminister der verbliebenen elf TPP-Mitgliedstaaten am Sonntag am Rande eines Gipfels des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi.

In einer Stellungnahme erklärte die Gruppe, sie bekenne sich zu einer Öffnung der Märkte und sei angesichts protektionistischer Tendenzen beunruhigt. "Wir konzentrieren uns darauf, wie wir mit den elf Ländern vorankommen können", sagte der neuseeländische Handelsminister Todd McClay.

Im Juli wollen sich die Vertreter der TPP-Staaten in Japan treffen, um konkrete Vorschläge für den November vorzubereiten. In seiner jetzigen Form kann das Abkommen nur in Kraft treten, wenn die USA sich beteiligen. Die verbliebenen Mitglieder müssen also die Regeln ändern.

Angeführt wird die Initiative von Japan, Neuseeland und Australien. Sie erhoffen sich von dem Abkommen auch die Förderung von Arbeitnehmerrechten und mehr Umweltschutz. Vietnam und Malaysia hingegen hatten sich von TPP vor allem einen besseren Marktzugang in den USA versprochen. Eine der größten Herausforderungen wird es nun sein, sie vom Ausstieg abzuhalten.

Schneller Überblick: Die wichtigsten Freihandelsabkommen

TTIP

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  • 44 % des Welthandels
  • 45 % des globalen BIP
  • 820 Mio. Menschen

Seit dem Jahr 2013 verhandelt die EU-Kommission mit der US-Regierung über ein Transatlantisches Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership). Damit sollen Handelshemmnisse abgebaut werden. Gegner kritisieren, dass die Verhandlungen intransparent geführt würden und viele geplante Regelungen problematisch seien.

CETA

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  • 39 % des Welthandels
  • 25 % des globalen BIP
  • 535 Mio. Menschen

Das Freihandelsabkommen Ceta (Comprehensive Economic and Trade Agreement) der EU mit Kanada ist ausverhandelt. Die 28 EU-Staaten haben den umstrittenen Vertrag einstimmig beschlossen. Er tritt endgültig in Kraft, wenn alle Länderparlamente Ceta ratifizieren.

TPP

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  • 26 % des Welthandels
  • 40 % des globalen BIP
  • 800 Mio. Menschen

Das Freihandelsabkommen TPP (Trans-Pacific Partnership) wurde im Februar 2016 von den zwölf Ländern unterzeichnet. Der Pakt galt Kommentatoren als Verlagerung des Mittelpunkts der modernen Welt vom Atlantik in den Pazifik, weil es das erste große und damit maßgebliche Freihandelsabkommen der Welt werden sollte. US-Präsident Donald Trump hat Mitte Januar 2017 entschieden, aus dem Abkommen auszusteigen. Die Zukunft von TPP ist damit ungewiss.

RCEP

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  • 24 % des Welthandels
  • 28 % des globalen BIP
  • 3 Mrd. Menschen

Die RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) soll ein Freihandelsabkommen zwischen den ASEAN-Staaten und den sechs Pazifik-Ländern werden, mit denen der Verbund südostasiatischer Staaten bereits entsprechende Verträge geschlossen hatte. Der Grad der Integration soll geringer sein, als es zum Beispiel bei TTIP geplant ist. Vereinbart werden sollen Zollabbau, freier Wettbewerb, Schutz von geistigem Eigentum, wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit sowie Streitschlichtung. Die EU und die USA verhandeln nicht mit, könnten aber beitreten.

NAFTA

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  • 16 % des Welthandels
  • 25 % des globalen BIP
  • 465 Mio. Menschen

Die Freihandelszone North American Free Trade Agreement (Nafta) ist 1994 in Kraft getreten. Das Abkommen sieht Zollerleichterungen und die Öffnung einiger Märkte wie Finanzen und Energie vor und hat zwei Seitenabkommen zu Arbeitsrechten und Umweltschutz. In Mexiko wird unter anderem kritisiert, dass landwirtschaftliche Produkte aus den USA das Land überschwemmten – in den USA heißt es, dass sich Industrieproduktion in das Nachbarland verlagere.

Australiens Handelsminister Steven Ciobo sagte der Nachrichtenagentur AFP am Samstag, es sei wichtig, die Tür auch "für die USA offenzuhalten". "Derzeit entspricht es vielleicht nicht den US-Interessen, Teil des TPP zu sein, aber die Umstände könnten sich in der Zukunft ändern."

US-Handelsminister Robert Lighthizer schloss eine Rückkehr seines Landes zum TPP jedoch aus. Die USA "sind aus dem TPP ausgestiegen, und sie werden diese Entscheidung nicht ändern", sagte er vor Journalisten in Vietnam. Stattdessen strebten die USA die Unterzeichnung von bilateralen Abkommen an.

Ursprünglich sollte die Freihandelszone zwölf Staaten, darunter die USA, Japan und Australien, umfassen. China bleibt außen vor – TPP sollte ein Gegengewicht zu seinem wachsenden Einfluss in der Region sein. Der frühere US-Präsident Barack Obama hatte TPP unterstützt, doch sein Nachfolger Donald Trump besiegelte nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt den Ausstieg seines Landes aus dem Abkommen. Seine Regierung macht den Freihandel für den Verlust von Arbeitsplätzen in den USA verantwortlich.