Das geplante Gesetz zum Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit ist nach Angaben von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) gescheitert. "Das Kanzleramt hat mir mitgeteilt, dass eine Kabinettsbefassung nicht mehr vorgesehen ist", sagte Nahles.

Mit dem Gesetz wollte die SPD erreichen, dass insbesondere Frauen die Möglichkeit erhalten, nach einer Phase der Teilzeitarbeit wieder voll zu arbeiten.

Nahles sprach im Zusammenhang mit dem Scheitern von einem "Druck der Arbeitgeber". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verhindere nunmehr ein Gesetz, "das für Hunderttausende Frauen den Weg aus der Teilzeitfalle bereitet hätte", sagte sie.

Nahles hatte ihren Gesetzentwurf im November dem Kanzleramt vorgelegt. Seitdem habe sie auf Wunsch des Kanzleramts wiederholt mit der Arbeitgeberseite und den Gewerkschaften darüber verhandelt, sagte die Ministerin.

Sie habe bis zum Schluss Lösungen gesucht, doch sei die Strategie von Union und Arbeitgebern "verwässern und verzögern" gewesen. "Immer wenn ein Schritt gemacht war, wurde noch einmal draufgesattelt." Schlussendlich sei klar geworden, dass Union und Arbeitgeber das Gesetz nicht wollen.

Ein Koalitionsausschuss von Union und SPD war Ende März ohne Einigung über das Gesetzesvorhaben zu Ende gegangen. Die SPD hatte ein Rückkehrrecht für Beschäftigte in Vollzeit in Betrieben ab 15 Mitarbeitern angepeilt, die Union beharrte aber auf einer Grenze von 200 Beschäftigten.

Die Zahl der Beschäftigten in Teilzeit stieg innerhalb von 20 Jahren von 8,3 Millionen auf 15,3 Millionen im vergangenen Jahr.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Entscheidung: "Statt vor allem Millionen Frauen die Möglichkeit zu eröffnen, Familie und Beruf endlich sinnvoll zu verbinden, beharren die konservativen Kräfte auf Stillstand", sagte Chef Reiner Hoffmann.