Weniger als eine Minute später habe ich geantwortet: "Natürlich. Wir brauchen nur eine Vereinbarung über einen langfristigen Zahlungsaufschub und die Aussicht, dass diese Situation sich nicht in wenigen Monaten wiederholen wird." Emmanuel war einverstanden. Er sprach mit seinem Präsidenten und dann wieder mit mir: "Nachhaltige Lösung ist der Schlüssel, ich bin Ihrer Meinung", schrieb er und schlug vor, uns am nächsten Tag inkognito in Athen zu treffen. Er wollte mit mir und Alexis zu Abend essen und einen Pakt zwischen Athen, Berlin und Paris schmieden.

Nach Mitternacht, als wir gerade dabei waren, die Vorbereitungen für die Bankenschließung zu treffen, schrieb mir Emmanuel erneut. Er informierte mich, dass Präsident Hollande in Erwägung zog, am Morgen eine Erklärung abzugeben, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Ich dankte ihm und wartete. "Gut", sagte Emmanuel etwas später, "ich bin bereit und bin sicher, dass Alexis, Sie und ich einen Deal finden können ... Ich werde den Präsidenten morgen davon überzeugen. Wir müssen Erfolg haben!"

Am nächsten Morgen – es war der Montag, 29. Juni; der Tag, an dem er nach Athen kommen sollte – rief Emmanuel an und bat um einen Gefallen: Könnte Alexis Präsident Hollande kontaktieren, um zu bestätigen, dass er bereit und willens sei, Emmanuel als den Gesandten des französischen Präsidenten in Athen zu empfangen?

Ich rief Alexis an, erklärte ihm die Gelegenheit, die sich uns bot, und er stimmte zu. Eine Stunde später allerdings rief er mich wütend zurück. "Was geht hier vor?", fragte er. "Hollandes Büro hat geantwortet, dass sie keine Ahnung von einer möglichen Reise Macrons nach Athen haben. Sie haben uns an Michel Sapin zurückverwiesen. Will der dich verarschen?"

Seine Erklärung schockierte mich

Als ich Emmanuel von diesem Gespräch berichtete, klang er wütend. Seine Erklärung schockierte mich. "Die Leute um Hollande wollen nicht, dass ich nach Athen komme. Sie halten zur deutschen Kanzlerin. Sie haben Alexis Annäherung blockiert. Gib mir seine (Alexis) persönliche Handynummer. Ich gehe in einer Stunde persönlich in den Elysée und bitte ihn (Hollande) Alexis direkt anzurufen."

Stichwahl in Frankreich - David wählt...Macron, wollte aber Fillon Wegen eines Scheinbeschäftigung-Skandals hat Davids Favorit François Fillon es nicht in die Stichwahl geschafft. Jetzt ist er Macron-Fan. © Foto: Ana-Marija Bilandzija

Einige Stunden vergingen, aber Hollande hat Alexis niemals angerufen. Also schrieb ich Emmanuel: "Habe ich richtig verstanden, es ging nicht voran und Ihre Reise ist abgesagt?" Ein niedergeschlagener Macron bestätigte mir, dass er blockiert worden war – vom Präsidenten und seiner Entourage. "Ich werde weiter dafür kämpfen, Ihnen zu helfen, Yanis, glauben Sie mir", hat er versprochen. Ich habe ihm geglaubt.

Drei Monate nach meinem Rücktritt, im Oktober, habe ich Emmanuel in Paris wieder getroffen. Er erzählte mir, dass er bei einem Spitzentreffen vor seinem gescheiterten Vermittlungsversuch mit Alexis meine Position vertreten habe, dass der Griechenland-Deal der Troika eine moderne Version des Versailler Vertrages darstelle. Merkel hörte das und wies – laut Emmanuel – Hollande an, ihn aus den Griechenland-Verhandlungen rauszuhalten.

Indem sie den "Griechischen Frühling" erdrückte, hat die Troika nicht nur Griechenland einen Schlag versetzt, sondern auch der Integrität und dem Geist Europas. Emmanuel Macron war das einzige Mitglied des Systems, das versucht hat, das zu verhindern. Ich glaube, es ist meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass die französischen Progressiven, wenn sie im zweiten Wahlgang in die Wahlkabinen gehen (oder auch nicht), ihr Kreuz im vollen Bewusstsein dieser Geschichte machen. 

Mein Versprechen an Emmanuel ist dieses: Ich gebe alles, um Ihnen zu helfen, Le Pen zu schlagen. Und ich werde mich mit dem gleichen Elan den nächsten Nuits debouts anschließen, um gegen Ihre Regierung zu protestieren, wenn, und falls, Sie als Präsident versuchen sollten, mit Ihrem bereits gescheiterten Neoliberalismus weiterzumachen.

 Aus dem Englischen von Simone Gaul

Der Text erschien auf Englisch im Blog von Yanis Varoufakis und auf Französisch in Le Monde.