Die Verhandlungen waren hart, der Jubel war groß. Mehr als ein Jahrzehnt lang hatte die Weltgemeinschaft hart um einen Vertrag gerungen, der den globalen CO2-Ausstoß verringern und die Erderwärmung drosseln soll. Bei den Pariser Klimaverhandlungen im Dezember 2015 standen vor allem zwei Länder am Pranger: China und die USA, die mit Abstand größten Klimasünder. Beide Länder verweigerten sich, solange der andere zu keinen Zugeständnissen bereit war. Sie schoben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Entsprechend groß war die Freude, als sich beide Staaten schließlich einigten.

Beim G20-Gipfel vor nicht einmal einem Jahr in der ostchinesischen Stadt Hangzhou machten es Xi Jinping und Barack Obama offiziell: Der chinesische Staatschef und der damals noch amtierende US-Präsident überreichten dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, die Dokumente, mit denen ihre Länder Vertragspartner des Pariser Klimaabkommens werden. Mit den beiden größten Klimasündern im Boot konnte das Pariser Klimaschutzabkommen in Kraft treten. Mit Ausnahme von Syrien und Nicaragua haben inzwischen alle Nationen das Abkommen unterzeichnet.

Nun ist Donald Trump US-Präsident. Und in Washington verdichten sich die Anzeichen, dass er die historische Vereinbarung aufkündigen wird. Heute Nachmittag um 15 Uhr Ortszeit (21 Uhr mitteleuropäischer Zeit) will er sich erklären. Und China? Wird die zweitgrößte Volkswirtschaft dann auch ausscheren?

Der chinesische Premierminister Li Keqiang versicherte beim Gespräch mit Kanzlerin Merkel am Mittwoch in Berlin, sein Land werde das Pariser Klimaschutzabkommen einhalten. Beim China-EU-Gipfel in Brüssel, zu dem er am Freitag anreisen wird, werde er sich zudem für eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit einsetzen. Doch damit nicht genug: Jüngste Daten weisen darauf hin, dass China seine klimapolitischen Ziele sogar vor der in Paris vereinbarten Frist erreichen wird.

Noch ist China der mit Abstand größte Emittent von klimaschädlichem CO2. Knapp die Hälfte der weltweiten Kohleverbrennung geht auf die Chinesen zurück. Einer Studie der Netherlands Environmental Assessment Agency zufolge war China 2015 für rund 29 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes verantwortlich. Die USA folgten mit rund 14 Prozent, die 28 Länder der Europäischen Union kamen auf 10 Prozent. In allen diesen drei Regionen ist der Ausstoß damit gesunken.

Dass der Emissionslevel nicht weiter angestiegen ist, ist der Studie zufolge vor allem den Chinesen zu verdanken. Um 1,5 Prozent ging Chinas Kohleverbrauch im vergangenen Jahr zurück, nach 3,7 Prozent 2015 und einem Rückgang um 2,9 Prozent im Jahr 2014. Bis 2013 war der Kohleverbrauch der zweitgrößten Volkswirtschaft über ein Jahrzehnt lang fast durchgehend noch um mehr als fünf Prozent im Jahr gestiegen.

Diese Entwicklung ist auch deswegen bemerkenswert, weil Chinas Wirtschaft in diesem Zeitraum weiter um rund 7 Prozent im Jahr gewachsen ist. Bislang hieß es: Solange die Wirtschaft kräftig wächst, sei mit einer Drosselung kaum zu rechnen. Es müsse bereits als ein Erfolg angesehen werden, wenn der CO2-Ausstoß stagniert.